Von der Schulbank in den Beruf

von JobFit-Projektredaktion | 16. Mrz. 2013 | Kommentare deaktiviert für Von der Schulbank in den Beruf
Wer gleich am Anfang Fragen stellt, findet sich schneller zurecht. Foto: Fotolia/Helix

Wer gleich am Anfang Fragen stellt, findet sich schneller zurecht. Foto: Fotolia/Helix

Wie Auszubildende ein sicheres Auftreten im Unternehmen gewinnen

Die Aufgabe ist simpel: Erst machst du die Ablage. Dazu heftest du die Rechnungsausgänge in den gelben Ordner, die Rechnungseingänge kommen in den blauen. Und zuvor sortierst du das Ganze nach Datum und Nummern. Alles klar? Christian nickt. Der Auszubildende einer großen deutschen Handelskette hat jedoch gar nichts begriffen. Wo zum Teufel befindet sich dieser gelbe Ordner? Müsste ich das nicht längst wissen? Nachzufragen könnte peinlich sein, da hält er in dem Moment lieber den Mund. Und ahnt noch nicht, dass ihn das später erst recht in die Bredouille bringt.

So wie Christian geht es vielen Azubis. Gestern haben sie noch die Schulbank gedrückt, heute müssen sie sich in einen Arbeitsalltag einfügen. „Oft tun sich Berufsstarter schwer damit, sich in den Rhythmus eines Unternehmens einzufinden. Nicht nur einen Tag konstant präsent zu sein, sondern Woche für Woche, Monat für Monat, täglich von 8 bis 17 Uhr“, sagt Thomas Rübel, Karriereberater eines bundesweit agierenden Büros für Berufsstrategie. Kompetent wirken, freundlich sein und motiviert: Vor allem in der ersten Zeit an der Ausbildungsstelle erfordert das vom Jugendlichen sehr viel Kraft. Ein Azubi, der gähnend auf dem Schreibtisch liegt, kommt weder in der Berufsschule noch beim Arbeitgeber gut an. Karriereberater Rübel: „Die Jugendlichen müssen lernen, ihren Lebensstil an die neuen Herausforderungen anzupassen.“

Nervige Handytöne, die Jeans hängt auf Halbmast und die Hände sind tief in den Hosentaschen vergraben – ein Alptraum für jeden Ausbilder. „Die Grundregeln des guten Benehmens werden heute nicht mehr vermittelt“, sagt Karriereberater Thomas Rübel. Selbst viele Eltern sind heute nicht mehr auf dem Laufenden. Viele Arbeitgeber schicken ihre Auszubildenden daher schon in Benimmkurse. Welche Kleidung ist angemessen? Wie nähere ich mich Kollegen und Vorgesetzten? Wie beträgt man sich im professionellen Umfeld?

Distanzzone wahren

Ein partnerschaftlicher Umgang zwischen Auszubildenden und ihren Ausbildern kann schnell zu allzu lockeren Gepflogenheiten führen. Anklopfen und freundliches Grüßen, wenn man einen Raum betritt, sollten für Auszubildende selbstverständlich sein. „Ein wunder Punkt ist die Distanzzone“, sagt Rübel. Dem Vorgesetzten zu nah auf die Pelle zu rücken, etwa indem man unaufgefordert hinter seinen Schreibtisch tritt. Der Schlüssel zu gutem Betragen und Selbstsicherheit am Arbeitsplatz ist Aufmerksamkeit, so der Karriereberater. Einer der ärgsten Fauxpas, den sich Auszubildende immer mal wieder leisten: den Namen des Gesprächspartners zu vergessen.

Berufseinsteiger sind oft schüchtern und unerfahren, möchten aber gerne erwachsen wirken und als vollwertiges Mitglied des Unternehmens wahrgenommen werden. Dabei stoßen sie immer wieder an ihre eigenen Grenzen. Einem Auszubildenden steht es zu, Fehler zu machen. Dennoch sollten sie die Bereitschaft zeigen, zu lernen und immer noch besser werden zu wollen. Ganz nach dem Motto: Ich habe dieses oder jenes noch nie gemacht, aber vielleicht können Sie es mir ja zeigen? Wer auf seinem Schreibtischstuhl rumfläzt und erst aktiv wird, wenn er angesprochen wird, hat schon verloren. „Besser ist es, seine Dienste anzubieten“, sagt Rübel. Ich sehe, Sie haben viel zu tun, kann ich Ihnen helfen? Können Sie mir etwas zu tun geben? „Motivation und Lerneifer signalisieren Azubis auch dann, wenn sie den Mut haben, Fragen zu stellen, wenn sie etwas noch nicht verstanden haben.“

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