Auch Aufräumen gehört zum Lehrlingsalltag

von JobFit-Projektredaktion | 13. Apr. 2013 | Kommentare deaktiviert für Auch Aufräumen gehört zum Lehrlingsalltag
Auch kleine Beträge, die junge Leute von ihrer Ausbildungsvergütung abzweigen, können ein Sparschwein füllen – es muss nur regelmäßig gefüttert werden. Foto: fotolia/Robert Kneschke

Auch kleine Beträge, die junge Leute von ihrer Ausbildungsvergütung abzweigen, können ein Sparschwein füllen – es muss nur regelmäßig gefüttert werden. Foto: fotolia/Robert Kneschke

Die Rechte und Pflichten von Auszubildenden sind gesetzlich genau geregelt

Ein Auszubildender hat im Betrieb von Anfang an bestimmte Rechte und Pflichten. Sie sind sogar gesetzlich festgelegt – im Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder dem Jugendarbeitsschutzgesetz sowie in einzelnen Ausbildungsverordnungen zum Beispiel.

Oberstes Gebot in der Lehre ist – selbstverständlich – das Lernen. „Das bedeutet, dass der Azubi sich nach besten Kräften um das Erlernen der Fähigkeiten bemühen muss, die für seinen zukünftigen Beruf notwendig sind“, sagt Thomas Frank, Leiter Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm. „Die Aufgaben, die ihm in Büro oder Betrieb aufgetragen werden, muss der Auszubildende mit Sorgfalt erfüllen.“ Das umfasst unter anderem das Führen schriftlicher Ausbildungsnachweise. Auch die Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen außerhalb des Betriebes ist für den Lehrling verpflichtend. Dazu zählt etwa der Besuch der Berufsschule. Das Zeugnis, das er dort erhält, muss er – anders als zu Schulzeiten – nicht nur seinen Erziehungsberechtigten, sondern auch dem Ausbilder vorlegen.

Hygiene- und Sicherheitsvorschriften

„Dessen Weisungen hat der Lehrling Folge zu leisten“, betont der Experte, und auf noch etwas weist er hin: „Betriebsgeheimnisse auszuplaudern, ist tabu.“ Das Einhalten der jeweiligen Betriebsordnung ist natürlich ebenfalls obligatorisch. Das beinhaltet auch ein gepflegtes Äußeres und angemessene Kleidung – vor allem dann, wenn Publikumsverkehr herrscht. Das kann bedeuten, dass Tätowierungen an den Armen unter einem langärmeligen Hemd verschwinden müssen. Lange Haare sind Tabu, wenn sie Hygiene- oder Sicherheitsvorschriften widersprechen. „Dann ist der Azubi dazu verpflichtet, ein Haarnetz oder eine Haube zu tragen“, sagt Frank.

Dass Werkzeuge, Maschinen und andere Einrichtungsgegenstände pfleglich behandelt werden, sollte selbstverständlich sein. Wer erkrankt, muss das unverzüglich melden und eine ärztliche Bescheinigung, den sogenannten gelben Schein, vorlegen.

Auszubildende unter 18 Jahren dürfen ihre Ausbildung erst beginnen, wenn sie dem künftigen Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung, die nicht älter als 14 Monate sein darf, vorgelegt haben. „Das geschieht zum Schutz des Jugendlichen, damit Krankheiten erkannt oder Gefährdungen abgewendet werden können“, erklärt Thomas Frank. So können Sehschwächen oder Rückenprobleme für die Tätigkeiten, die ausgeübt werden sollen, von Belang sein. Noch vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres werde der Gesundheits- und Entwicklungszustand des Jugendlichen bei einer Nachuntersuchung überprüft.

Ebenso lang wie die Liste der Pflichten, ist auch die der Rechte, die Azubis zustehen – denn auch wenn es im Volksmund heißt, Lehrjahre seien keine Herrenjahre, müssen sie sich während der Ausbildung nicht alles gefallen lassen. Zuoberst steht das Recht auf eine angemessene Vergütung. Auch die Ausbildungsmittel müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. „Nehmen die Lehrlinge an Ausbildungsmaßnahmen teil, müssen sie dafür freigestellt werden. Der Lohn wird dennoch weitergezahlt“, sagt Frank. „Für die Fahrtkosten zur Berufsschule müssen sie allerdings selbst aufkommen.“

Kaffee kochen für den Chef oder die Garage aufräumen? „Azubis müssen grundsätzlich keine ausbildungsfremden Aufgaben übernehmen“, sagt der Ulmer IHK-Mann. Doch kommt es in der Tat auf die Art der Ausbildung an: „Zum Arbeitsalltag einer Kauffrau für Bürokommunikation gehört es durchaus, Gäste mit Getränken zu versorgen, und ein Automechaniker wird auch das Aufräumen der Garage auf dem Lehrplan haben.“ Sollen Auszubildende jedoch eine fehlende Arbeitskraft komplett ersetzen, dürfen sie das ablehnen.

Kündigung innerhalb vier Wochen möglich

Ein Lehrling hat außerdem eine besonders kurze Kündigungszeit, falls er die Ausbildung abbrechen möchte. „Das kann er innerhalb von vier Wochen tun.“

Seit acht Jahren ist es möglich, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Darauf gibt es zwar keinen Rechtsanspruch, doch sollten sich Auszubildende darüber mit ihrem Chef verständigen und eine entsprechende Vereinbarung im Vertrag festhalten. Am Ende der Lehrzeit steht ihnen ein Zeugnis zu, das sowohl ihre Leistung als auch ihr Verhalten bewertet. red

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