Mädchen mögen auch Mathe

von JobFit-Projektredaktion | 27. Apr. 2013 | Kommentare deaktiviert für Mädchen mögen auch Mathe

Von Stefanie Rebhan

Beim Girl's Day bei Tognum in Friedrichshafen zeigten die Schülerinnen großes Interesse an den Metallberufen. Foto: Tognum AG

Beim Girl’s Day bei Tognum in Friedrichshafen zeigten die Schülerinnen großes Interesse an den Metallberufen. Foto: Tognum AG

Junge Frauen dringen nur langsam in sogenannte Männerberufe vor – Neu gestaltete Schulprofile wie „Technik und Management“ am Technischen Gymnasium zeigen positive Auswirkungen

Mädchen werden Floristinnen, Jungen Mechaniker. Mädchen studieren Sozialwissenschaften, Jungen Elektronik. Die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern ist auch heute noch schwer zu knacken. Nur sehr langsam erobern sich vor allem junge Frauen sogenannte Männerdomänen. Viele Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass nicht die Biologie daran schuld ist, sondern dass die Gesellschaft und die Erziehung dem beruflichen Rollenverhalten der Menschen zugrunde liegen.

Wenn dem so ist, bleiben viele Menschen im Arbeitsleben nicht nur hinter ihren Möglichkeiten zurück, den Unternehmen gehen auch dringend benötigte Fachkräfte durch die Lappen. „Man kann die jungen Leute nur ermutigen, sich für Berufe zu interessieren, die bislang eher dem anderen Geschlecht vorbehalten waren, um so ihr Spektrum an Ausbildungschancen zu erweitern“, erklärt Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Auch die Betriebe sollten stärker über den Tellerrand schauen, um alle Potenziale auszuschöpfen.

Oft mehr als 80 Prozent Männeranteil

Laut BIBB gibt es unter den dualen Ausbildungsberufen mit mindestens 500 Ausbildungsanfängern fast 60, bei denen die jungen Männer deutlich dominieren – ihr Anteil liegt dort bei mehr als 80 Prozent. Wenn es darum geht, das Arbeitsgebiet des anderen Geschlechts zu erobern, haben junge Frauen aber die Nase vorn. Sie haben es geschafft, ihren Anteil in sieben männerdominierten Berufen im Vergleich der Jahre 2005 und 2012 um vier Prozentpunkte zu steigern. Männer nur in einem.

Diese Entwicklung beobachtet auch Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben. Die Zahl der Industriekauffrauen sei seit 2007 zurückgegangen, die der männlichen Kollegen nahm zu. Dafür gebe es mehr Industriemechanikerinnen oder technische Produktdesignerinnen. „Wir beobachten außerdem positive Auswirkungen von neu gestalteten Schulprofilen, wie zum Beispiel das Profil „Technik und Management“ des Technischen Gymnasiums. Ein begrüßenswerter Trend – aber auch in Zukunft wird es wohl unterschiedliche Lieblingsberufe von Männer und Frauen geben“, sagt Jany.

Den Hauptgrund dafür findet die Psychologin an der Universität Landau, Melanie Steffens, in Gesellschaft und Erziehung. „Eine Paula wird gelobt, wenn sie ihren Puppen die Haare kämmt, die Eltern von Paul sind froh, wenn er mit einem Bagger spielt“, sagt Steffens. Schulbücher, das Fernsehprogramm, die Werbung – alles sei voller Geschlechterrollen, und schon kleine Kinder nähmen wahr, welche Merkmale ihre Umwelt für männlich und weiblich hält. „Den Kindern bleibt nichts anderes übrig, als unterschiedliche Interessen zu entwickeln“, so Steffens.

Untersuchungen zeigten sogar, dass Mädchen in der Grundschule in Mathematik besser sind als Jungen. Da sie allmählich aber das Stereotyp „Mathe ist Jungensache“ verinnerlichen, passen sich ihre Leistungen dem an: Und so liefern die Mädchen später schlechtere Leistungen in Mathe ab. Diese Entwicklung nennt sich „geschlechtsbezogenes Selbstkonzept“.

Männergeprägte Berufe sind besser bezahlt

Dass Frauen trotzdem diejenigen sind, die sich ins Terrain der Männer vorwagen und nicht umgekehrt, erklärt Steffens über den Verdienst: „Männergeprägte Berufe sind die besser bezahlten. Wenn mehr Männer Erzieher werden sollen, müssen dort die Gehälter erhöht werden.“ Auch geben sich Frauen heute noch mit weniger Gehalt und den eher „brotlosen“ Berufen zufrieden, weil das Bild vom Mann, der als Hauptverdiener die Familie ernährt, in den Köpfen noch besteht.

Wenn sich die jetzige geschlechtsspezifische Berufswahl aufheben soll, so Steffens, dann nur, wenn sich genügend Rollenmodelle finden. Beispiel: Erscheinen immer mehr Frauen als Ingenieurinnen im Alltag, ziehen die anderen nach. Sollte das Geld stimmen, funktioniert es bei den Männern genauso.

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