Ich bin dann mal weg

von JobFit-Projektredaktion | 24. Jun. 2013 | Kommentare deaktiviert für Ich bin dann mal weg

In der globalisierten Arbeitswelt ist auch ein längerer Auslandsaufenthalt für Auszubildende keine Ausnahme mehr

Im Handwerk hat es Tradition, dass Gesellen auf Wanderschaft gehen und sich mit anderen Arbeitsweisen in fremden Regionen und Ländern vertraut machen. Das gibt ihrer Ausbildung seit dem Mittelalter den letzten Schliff. Drei Jahre lang gehen sie daher auch heutzutage noch auf die Walz.

Erfahrungen in der Fremde zu machen, steht jedoch Auszubildenden aller Berufszweige einer globalisierten Arbeitswelt gut zu Gesicht. Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und grenzüberspannende Geschäftskontakte sind heute für junge Fachkräfte wichtig. Und die sammelt man am besten in anderen Ländern.

Über den eigenen Horizont hinausschauen: Von einer Lehre im Ausland können junge Leute beim Start ins Berufsleben nur profitieren. Foto: olly/fotolia

Über den eigenen Horizont hinausschauen: Von einer Lehre im Ausland können junge Leute beim Start ins Berufsleben nur profitieren. Foto: olly/fotolia

Auch die Regierung will Lehrlinge ausdrücklich dazu ermuntern, in die Ferne zu schweifen. „Seit 2005 ist es daher leichter geworden, seine Ausbildung ganz oder teilweise im Ausland zu absolvieren“, erklärt Jaqueline März vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Berufsbildungsgesetz sieht seitdem vor, dass Azubis ein Viertel ihrer Lehrzeit, maximal jedoch neun Monate, jenseits der bundesdeutschen Grenzen verbringen dürfen. „Für einen Auslandseinsatz gibt es verschiedene Möglichkeiten: Auszubildende können Praktika in anderen Ländern machen, die Lehre teilweise in einem ausländischen Betrieb oder die komplette Ausbildung außerhalb der Bundesrepublik absolvieren“, so März.

„Wichtig ist in jedem Fall, sich vorab gut zu informieren“, gibt Jaqueline März zu bedenken. Die Ausbildungsinhalte und Prüfungsordnungen unterscheiden sich von Nation zu Nation teilweise deutlich. Dann könnte es Schwierigkeiten mit der Anerkennung des Berufsabschlusses geben.

Erste Informationen kann man im Internet auf der Seite der Arbeitsagentur (www.arbeitsagentur.de) finden. Hilfreich sind auch die Tipps der Zentralen Auslandsvermittlung (ZAV). Über die Hotline ist sie montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 0228/7131313 oder per Mail unter zav@arbeitsagentur.de zu erreichen.

Mobilitätscoaches geben deutschlandweit Hilfestellung

„Berufsbildung ohne Grenzen“ heißt die Initiative, mit der die Bundesregierung das Fernweh der deutschen Azubis anfachen will. Mobilitätscoaches wie Jaqueline März beraten Azubis mit Ausreise-Ambitionen. „35 Berater gibt es deutschlandweit. Wir leisten Hilfestellung bei der Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes, bei Versicherungsfragen, der Finanzierung oder der Suche nach einem Partnerbetrieb“, schildert März ihre Aufgabe. Mehr Informationen bekommen Interessierte im Internet unter www.mobilitaetscoach.de.

Auslandspraktika für Azubis vermittelt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn. Zwischen der Bundesrepublik und einigen europäischen Nationen bestehen bilaterale Austauschprogramme, zum Beispiel mit Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Norwegen. Gefördert werden sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Auf der Homepage des BMBF finden sich weitere Informationen. Auch über das europäische Programm für Aus- und Weiterbildung Leonardo da Vinci kann ein Lehrling auf die moderne Walz gehen. Informationen sind unter www.lebenslanges-lernen.eu beziehungsweise unter www.na-bibb.de im Internet zu finden.

„Die Auszubildenden erweitern im Ausland ihren Horizont, ihre soziale Kompetenz und ihre Fremdsprachenkenntnisse. Sie werden flexibler und selbstbewusster“, sagt März. Auch für die Betriebe hat das Vorteile. Langsam steige die Nachfrage, stellt der Mobilitätscoach fest. Während 2008 lediglich 1,8 Prozent der Azubis der Republik zeitweilig den Rücken kehrten, waren es 2011 bereits drei Prozent. Für dieses Jahr werden vier Prozent prognostiziert, Tendenz weiter steigend.

Hotellehrlinge gehen häufig nach Skandinavien

„Auslandserfahrung ist in jedem Job von Nutzen. Bürokaufleute zieht es oft nach Großbritannien, Dienstkaufleute und Lehrlinge aus der Hotellerie gehen häufig nach Skandinavien oder in die Niederlande. Bäcker fühlen sich in Frankreich, Italien und Österreich gut aufgehoben“, gibt März einen Überblick über beliebte Auslandsziele. Wir haben schon Elektroniker, Azubis aus dem Baugewerbe und eine Buchbinderin ins Ausland geschickt.“ Am häufigsten gehen Lehrlinge innerhalb Europas auf die Walz. Aber auch China wird als Ziel beliebter, wenn der Azubi sagt: „Chef, ich bin dann mal weg.“

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