Gut begleitet auf dem Weg aus der Krise

von Projektredaktion | 12. Okt. 2013 | Kommentare deaktiviert für Gut begleitet auf dem Weg aus der Krise

Konflikte in der Ausbildung müssen nicht gleich zum Abbruch führen – Ein Modellprojekt bietet Lösungsansätze

Ausbildungsfremde Tätigkeit: Dem Chef das Auto zu waschen, gehört nicht zu den Aufgaben eines Lehrlings. Foto: Klaus Eppele / Fotoalia

Ausbildungsfremde Tätigkeit: Dem Chef das Auto zu waschen, gehört nicht zu den Aufgaben eines Lehrlings. Foto: Klaus Eppele / Fotoalia

Stress mit den Eltern, viele Überstunden, Probleme mit Kollegen – Anlässe und Gründe, warum es für Jugendliche in der Ausbildung schief laufen kann, gibt es viele. „Unser Ausbildungsreport 2013 zeigt, wo es hakt: etwa wenn das Gehalt nicht pünktlich gezahlt wird, wenn Auszubildende ohne Vergütung oder Freizeitausgleich Überstunden leisten müssen oder wenn ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigt werden müssen, wie den Wagen des Chefs waschen oder jeden Tag die Halle fegen“, sagt Benjamin Krautschat, Referent beim DGB-Bundesvorstand. Solche Extradienste hätten nichts mit der Ausbildung zu tun. „In dieser Zeit lernt der Auszubildende nichts und kann sogar Probleme in der Abschlussprüfung bekommen, weil wichtige Inhalte fehlen.“

Auszubildende sollten ihre Rechte kennen

Die Zahlen im Report zeigen Schwachstellen im Ausbildungsprozess auf: 36,5 Prozent der Befragten müssen regelmäßig Überstunden ohne Ausgleich leisten. Nur jeder dritte Auszubildende gab an, nie ausbildungsfremde Tätigkeiten ausführen zu müssen. Besonders häufig von Extraaufgaben betroffen: die angehenden Maler und Lackierer. Doch auch das Hotel- und Gaststättengewerbe gehört wie in den Vorjahren zu den Spitzenreitern in punkto ausbildungsfremde Aufgaben. „Auszubildende sollten ihre Rechte kennen und Probleme offenbaren“, sagt Benjamin Krautschat. Bei der Jugendauszubildendenvertretung oder der Gewerkschaft können sie sich informieren. Auf der Internetseite http://jugend.dgb.de/ausbildung/beratung/ dr-azubi bietet der DGB eine Online-Fragestunde an.

Dem Ausbildungsreport 2013 zufolge sind aber nicht die Überstunden, sondern falsche Vorstellungen vom Beruf der wichtigste Grund für den Abbruch einer Ausbildung. Überdies wird vielen jungen Menschen die Lehrzeit durch Probleme mit Kollegen verleidet. Auszubildende trauen sich oft nicht, Konflikte offen anzusprechen. „Dabei ist das Gespräch mit dem Ausbilder der erste Schritt zur Lösung kleinerer Probleme“, sagt Silvia Geppert, stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung Ausbildung von der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK), „Minderjährige oder Jugendliche, die sehr schüchtern sind, können zu einem solchen klärenden Gespräch auch gern ihre Eltern hinzuziehen.“ Wichtig sei die gemeinsame Lösungssuche aller Beteiligten, erklärt Silvia Geppert.

Seit dem 1. August 2012 gibt es in Baden-Württemberg das Modellprojekt „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“, das junge Leute im ganzen Land dabei unterstützt, ihre Berufsausbildung erfolgreich abzuschließen. Bei instabilen Ausbildungsverhältnissen werden die Lehrlinge sozialpädagogisch begleitet. Außerdem werden betriebliche Ausbilder in Konfliktmanagement und im Umgang mit schwierigen Auszubildenden geschult.

Noch 2011 wurde jedes fünfte Ausbildungsverhältnis (über 17 000 Ausbildungsverträge) in Baden-Württemberg frühzeitig aufgelöst. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen finden zwar nach einer vorzeitigen Lösung des Ausbildungsvertrages eine weitere schulische oder betriebliche Ausbildungsperspektive, allerdings bleiben rund 30 Prozent ohne Ausbildung.

Um dem entgegenzuwirken, fördert das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes im Rahmen des Modellprojekts „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ eine große Anzahl regionaler Vorhaben, etwa der IHK oder der Handwerkskammern.

Neutrale Mediatorin kann helfen

Für Auszubildende, die größere oder länger andauernde Probleme haben, bietet auch die IHK Ulm seit Ende 2012 Unterstützung im Rahmen des Programms „Abbruch verhindern – Ausbildung begleiten“ an. Eine neutrale Mediatorin hilft hier, Konflikte zu lösen.

Der Abbruch einer Ausbildung ist für alle Seiten ein negatives Erlebnis – aber manchmal unvermeidlich. „Dann helfen wir bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsbetrieb, in dem die Lehre möglichst nahtlos fortgeführt werden kann“, erklärt Silvia Geppert. Und auch junge Menschen, die erst während des Berufsalltags merken, dass sie falsche Vorstellungen von dem Metier hatten, erhalten von der IHK Unterstützung. „In diesem Fall bieten wir einen Kompetenzcheck und andere Hilfen zur Berufsorientierung an.“ Ist der geeignete Beruf gefunden, vermittelt die IHK möglichst umgehend den neuen – diesmal geeigneten – Ausbildungsplatz. Zudem kümmern sich die Experten um Fragen zur Anrechnung und Ausbildungsverkürzung.

Von Anke Vehmeier

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