Nebenbei jobben ist nicht verboten

von Projektredaktion | 26. Okt. 2013 | Kommentare deaktiviert für Nebenbei jobben ist nicht verboten
Pizza ausliefern kann man auch noch nach Feierabend. Foto: fotolia/the rock

Pizza ausliefern kann man auch noch nach Feierabend. Foto: fotolia/the rock

Auszubildende dürfen sich in der Freizeit etwas dazuverdienen – und profitieren oft nicht nur finanziell

Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“ – So heißt eine Gruppe auf der Studentenplattform StudiVZ im Internet. Rund 112 800 Mitglieder stellen sich dort genau diese Frage. In der Tat denkt man im Zusammenhang mit jungen Menschen, die unter chronischer Geldknappheit leiden, zuerst an Studierende. Aber auch Auszubildende, die ja eigentlich bereits eigenes Geld verdienen, kennen das Problem. Und wünschen sich nicht selten auch die Möglichkeit, genau wie Studenten einen Nebenjob anzunehmen. In der Regel wird die Ausbildung aber als Vollzeit-Tätigkeit angesehen. Was viele nicht wissen, ist, dass Azubis trotzdem nebenbei arbeiten dürfen.

„Wer das Gefühl hat, in seiner Ausbildung nicht genug Geld zu verdienen, sollte immer die Möglichkeit eines Nebenjobs in Betracht ziehen“, sagt Joachim Rude, Regionaldirektionsleiter der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in Oberschwaben. „Er oder sie muss sich zuvor jedoch über die eigenen Ziele und den zeitlichen Aufwand im Klaren sein.“ Zwei Jobs gehen auf Kosten der Freizeit. Azubis zwischen 15 und 18 Jahren sollten dabei bedenken, dass sie vor dem Gesetz noch als „Jugendliche“ gelten und laut dem Jugendschutzgesetz nicht mehr als insgesamt vierzig Stunden an fünf Tagen in der Woche und nicht länger als acht Stunden täglich arbeiten dürfen. Für diejenigen, die über 18 Jahre alt sind, gilt die gleiche 48-Wochenstunden-Regelung wie für alle Arbeitnehmer.

Joachim Rude, Regionaldirektionsleiter der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in Oberschwaben Foto: privat

Joachim Rude, Regionaldirektionsleiter der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in Oberschwaben Foto: privat

Die Ausbildung darf nicht leiden

Wenn es die Zeit zulässt, spricht nichts gegen eine Nebenbeschäftigung. Aber welche ist die richtige? Möglicherweise kann es sogar interessant sein, sich einen Nebenjob mit einer anderen beruflichen Ausrichtung als die Ausbildung zu suchen. „Die ersten Schritte ins Berufsleben gehören zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen“, erklärt Rude. „Man muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen oder mit Geld umzugehen.“ Und wer weiß, vielleicht entdeckt man bei dieser Gelegenheit sogar bisher verborgene Talente? Problematisch wird es, wenn der Azubi bei einer Konkurrenzfirma des Ausbildungsbetriebs anfängt. Hier gilt für Auszubildende dieselbe Regelung wie für jeden anderen Angestellten: Eine Nebentätigkeit darf nicht zu einem Interessenkonflikt für den Arbeitnehmer führen. Darum sollte man sich den Zweitjob in derselben Branche sorgfältig aussuchen. „Es besteht jedoch keine Verpflichtung“, schränkt Rude ein, „den Ausbilder um Genehmigung zu fragen, solange gewährleistet ist, dass die Ausbildung nicht unter der Nebentätigkeit leidet. Wichtig ist nur, den Betrieb über die Nebentätigkeit zu informieren.“

Ideal sind Nebenjobs auf 400-Euro-Basis, weil hierauf kaum Steuern und Sozialabgaben anfallen. In diesem Fall spart sich der Azubi auch die Steuererklärung. Seit 2012 ist zudem beim Kindergeld die Einkommensgrenze aufgehoben, jeder Auszubildende erhält diese Leistung unabhängig von seinem Verdienst. Und wer es zeitlich gar nicht schafft, neben der Ausbildung zu jobben, aber trotzdem mehr Geld benötigt, für den gibt es immer noch die Möglichkeit, Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) zu beantragen. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Es wird nur die erste Ausbildung gefördert, und der Auszubildende muss eine eigene Wohnung haben. Zudem dürfen die Eltern nicht über ein zu hohes Einkommen verfügen.

Grundsätzlich ist ein Nebenjob also eine gute Wahl. Wer dann immer noch Geldprobleme hat, sollte sich genauer mit seinen Finanzen auseinandersetzen und sich dazu gegebenenfalls beraten lassen. „Es gibt immer Möglichkeiten der Förderung“, so der Vermögensberater, „etwa Auszubildenden-Bafög oder Wohngeldzuschuss. Der Anspruch auf diese Fördermittel hängt von der individuellen Situation ab.“

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