Fettnäpfchen unterm Weihnachtsbaum

von Projektredaktion | 23. Nov. 2013 | Kommentare deaktiviert für Fettnäpfchen unterm Weihnachtsbaum

Wenn Auszubildende einige Regeln befolgen, können betriebliche Weihnachtsfeiern ihnen viele Vorteile bringen

Eine betriebliche Weihnachtsfeier ist eine lockere Veranstaltung – allerdings sollten gewisse Benimmregeln beachtet werden. FOTO: KLAUS-PETERADLER/FOTOLIA

Eine betriebliche Weihnachtsfeier ist eine lockere Veranstaltung – allerdings sollten gewisse Benimmregeln beachtet werden. FOTO: KLAUS-PETERADLER/FOTOLIA

Was soll ich da? Ich bin doch Muslim.“ Der 19-jährige Schlosserlehrling Yussuf Maksuti sieht keinen Grund dafür, an der Weihnachtsfeier seines Betriebes teilzunehmen. Auch Annika Boniatowsky, die im September ihre Ausbildung als Friseurin begonnen hat, kann sich in ihrer Freizeit „bestimmt was Besseres“ vorstellen. Aber Yussuf und Annika denken zu kurz, findet Thomas Frank, Ausbildungsleiter der Industrie- und Handelskammer Ulm: „Weihnachtsfeiern sind eine gute Gelegenheit, um sich als ,Neuer‘ in ungezwungener Atmosphäre bei Mitarbeitern bekanntzumachen, mit denen man bisher nichts zu tun hatte. Das erleichtert das spätere Zusammentreffen. Ein Fernbleiben könnte dagegen leicht als Desinteresse ausgelegt werden.“

Tatsächlich bieten die Feiern, die in der Vorweihnachtszeit in Betrieben ausgerichtet werden, eine entspannte Atmosphäre, um sich ein bisschen besser kennenzulernen – und das ist hilfreich für das Miteinander im beruflichen Alltag. Auszubildende können beispielsweise einmal ihre persönlichen Qualitäten präsentieren. Wenn der Ausbilder auf der Weihnachtsfeier erfährt, dass Yussuf in seiner Freizeit ehrenamtlich Nachhilfe gibt, wird ihn dies sicher beeindrucken. Und Annikas Kollegen sind eher davon überzeugt, dass die 18-Jährige die richtige Profession gewählt hat, wenn sie davon erzählt, dass sie bereits als Zehnjährige Hochsteckfrisuren für ihre ältere Schwester entwarf.

Für eine stärkere Identifikation der Belegschaft mit dem Betrieb

Auch Ausbilder und Vorgesetzte plaudern gerne mal aus dem Nähkästchen, wenn sie von Jüngeren auf ihre beruflichen Erfahrungen oder auf ihre Hobbys angesprochen werden. Allerdings eignet sich nicht jedes Thema für die Konversation unterm Weihnachtsbaum. „Die eher lockere Atmosphäre kann dazu verleiten, über die Stränge zu schlagen“, warnt Frank. „Zu meiden sind vor allem politische sowie stark polarisierende Themen, aber auch Gespräche, die zu sehr die Privatsphäre berühren.“ Yussuf muss übrigens keinesfalls befürchten, dass er aufgrund seines Glaubens fehl am Platz ist – die Feier ist keine klerikale Veranstaltung, sondern bietet den traditionellen Rahmen für die Firma, um sich bei den Angestellten für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr zu bedanken – und die Identifikation der Belegschaft mit dem Betrieb zu stärken.

Auf eine korrekte, höfliche Vorstellung achten

Auszubildende, die ein paar Benimmregeln beachten, werden interessante Gespräche führen können und ein, zwei Dinge erfahren, die ihnen in der weiteren Lehrzeit hilfreich sind. A propos gutes Benehmen: Beim Herantreten an bislang unbekannte Kollegen ist eine korrekte Vorstellung gefragt. „Hallo, mein Name ist Annika Boniatowsky und ich bin hier im ersten Lehrjahr“, klingt also besser als „Na, habt ihr noch was in eurer Weinflasche?“. Höflichkeit kommt bei Ausbildern und Chefs immer gut an. So sollte man sich keiner Gruppe aufdrängen und auch einmal in die Runde fragen, ob die anderen noch etwas vom Buffet möchten.

Allzu ungezwungen dürfen sich die Auszubildenden das Beisammensein ohnehin nicht vorstellen. „Grundsätzlich gilt, dass die Weihnachtsfeier eine betriebliche Veranstaltung ist“, erklärt der Frankfurter Arbeitsrechtsexperte Peter Groll. „Alkoholexzesse, Annäherungsversuche oder Jux und Tollerei haben dort nichts zu suchen.“ Auch das Fehlen am Tag nach der Weihnachtsfeier macht einen äußerst schlechten Eindruck – selbst wenn das ärztliche Attest vorliegt.

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