Zum Traumberuf gibt es Alternativen

von Projektredaktion | 9. Nov. 2013 | Kommentare deaktiviert für Zum Traumberuf gibt es Alternativen

Wer sich zu sehr auf eine Ausbildung festlegt, geht manchmal leer aus – Arbeitsagenturen zeigen Lösungen auf

Von Johanna Uchtmann, dpa

Dieser junge Mann hat im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München eine der begehrten Lehrstellen bekommen. FOTO: ANDREAS GEBERT/DPA

Dieser junge Mann hat im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München eine der begehrten Lehrstellen bekommen. FOTO: ANDREAS GEBERT/DPA

Viele Wege führen ans Ziel: Finden Jugendliche keine Lehrstelle, sollten sie auch für ähnliche Berufsfelder offen sein. Später können sie zum Beispiel durch eine Weiterbildung immer noch in den Traumjob wechseln. Das sagt Franko Hunger von der Agentur für Arbeit.

Der Berufsberater riet etwa einer jungen Frau, die unbedingt Bestattungsfachkraft werden wollte, zunächst eine Ausbildung als Bürokauffrau in einem Bestattungsunternehmen zu machen. „Später könnte sie ja mit einer fachlichen Qualifizierung in den Bereich wechseln, in den sie eigentlich wollte“, erklärt Hunger. Der Bestatter in dem Fall bot auch andere Ausbildungsberufe an, zum Beispiel zum Gärtner. „Am besten hat man insgesamt fünf bis zehn mögliche Berufe im Blick.“

Arbeitsplatz genau anschauen

Auch sollten sich Jugendliche vor der Bewerbung den Arbeitsplatz ihrer Wahl genau anschauen. Ein Schützling Hungers begann im August eine Lehre zum Elektroinstallateur, aber im September stand er wieder vor seiner Tür: Er hatte seine Höhenangst unterschätzt und konnte nicht auf hohen Leitern arbeiten.

Wie er stehen derzeit viele junge Menschen noch ohne Lehrstelle da: Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit gibt es aktuell 21 000 Bewerber, die bislang nirgends untergekommen sind. Und laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gelingt vielen Jugendlichen mit Haupt- oder mittlerem Schulabschluss der direkte Wechsel von der Schule in die Ausbildung nicht. Fast ein Drittel von ihnen muss sich zunächst mit Übergangslösungen begnügen.

Wer jetzt noch keine Ausbildung begonnen hat oder schon wieder abbrechen musste, den habe die Agentur für Arbeit, bei der er sich vor seiner Bewerbung beraten ließ, noch immer im Blick, sagte Hunger. „Die bleiben in der Vermittlung.“ Die Berufsberater schlagen ihnen dann mehrere Möglichkeiten vor, etwa die Vermittlung in noch offene Ausbildungsstellen, die betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ) oder die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme.

Die EQ ist ein sechs bis zwölf Monate langes Praktikum in einem Betrieb. Der Praktikant bekommt monatlich 216 Euro von der Arbeitsagentur. Ziel ist es, danach eine Ausbildung in dem Betrieb zu beginnen. „Das gelingt in ungefähr 80 bis 90 Prozent der Fälle“, schätzt Hunger.

Die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme sei etwas für Jugendliche, die noch nicht genau wissen, in welche Richtung es jetzt gehen soll. „Sie können sich in mehreren Berufsfeldern ausprobieren“, erklärt Hunger. Sie bekommen eine finanzielle Beihilfe vom Staat, die sich ähnlich wie Schüler-BAföG nach dem Einkommen der Eltern richtet.

Auch Abiturienten können sich oft nicht entscheiden: Geht es an die Uni oder lieber erst einmal für eine Ausbildung in einen Betrieb? Viele machen ihre Entscheidung vor allem von Statistiken abhängig, sagt Karrierecoach Svenja Hofert. Sie verglichen etwa die Arbeitslosenquote von Akademikern mit der von Erwerbsfähigen mit Berufsabschluss. Die Statistik spricht dabei in der Regel für ein Studium. Solche Zahlen zu kennen, sei auch wichtig. Letztendlich sollten Abiturienten ihre Entscheidung aber vor allem davon abhängig machen, was besser zu ihnen passt. „Wenn ich mit Theorie nichts anfangen kann, und eher handwerklich arbeiten will, bin ich an der Universität verkehrt.“

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