Manchmal ist es nicht nur ein Missgeschick

von JobFit-Projektredaktion | 1. Mrz. 2014 | Kommentare deaktiviert für Manchmal ist es nicht nur ein Missgeschick

Wann Auszubildende für die von ihnen verursachten Schäden bei der Arbeit haften und wie sie sich absichern können

Um leichte Fahrlässigkeit handelt es sich etwa, wenn ein Auszubildender versehentlich Kaffee über wichtige Unterlagen verschüttet. Foto: Fotolia/moshimochi

Um leichte Fahrlässigkeit handelt es sich etwa, wenn ein Auszubildender versehentlich Kaffee über wichtige Unterlagen verschüttet. Foto: Fotolia/moshimochi

Sind Auszubildende im Auftrag ihres Betriebes unterwegs und werfen zum Beispiel beim Aufstellen eines neuen Tisches versehentlich eine Vase um, ist der Fall klar: Der Arbeitgeber kommt für den Schaden auf und kann sich das Geld allenfalls von seiner Betriebshaftpflichtversicherung erstatten lassen. Anders verhält es sich bei Schäden, die ein Azubi im Betrieb anrichtet. „Hier gilt die Arbeitnehmerhaftung“, sagt Thomas Supper, Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung aus Rottweil. Das heißt, grundsätzlich muss jeder Betriebsangehörige für von ihm Verursachtes aufkommen. Ob es jedoch auch so kommt, hängt vom konkreten Einzelfall ab. Dabei wird juristisch zwischen Vorsatz sowie grober, mittlerer und leichter Fahrlässigkeit unterschieden.

Um leichte Fahrlässigkeit handelt es sich etwa, wenn ein Auszubildender versehentlich Kaffee über wichtige Kundenunterlagen verschüttet. „Bei solch alltäglichen Dingen, die jedem passieren können, haftet ein Azubi nicht“, sagt Supper. Komplizierter wird es bereits in Fällen mittlerer Fahrlässigkeit. Sitzt ein Lehrling zum Beispiel am Steuer des Betriebswagens, verstellt gerade den Radiosender und verursacht infolge der Ablenkung einen Unfall, muss er zumeist anteilig für den Schaden aufkommen. Für eine Bewertung sind jedoch mehrere Faktoren wichtig: So spielt etwa eine Rolle, ob der Chef den Azubi angewiesen hat zu fahren und ob dieser die Aufgabe überhaupt verrichten durfte, im Beispiel also über einen gültigen Führerschein für die benötigte Fahrzeugklasse verfügte. „Bei der Bewertung berücksichtigen Gerichte immer auch die persönlichen Verhältnisse des Auszubildenden“, erklärt der Experte Thomas Supper. Dazu gehören die Vermögensverhältnisse, eventuelle Vorfälle, in denen der Lehrling bereits auffällig wurde und seine Leistungen. Außerdem ist die Haftung des Auszubildenden im Falle mittlerer Fahrlässigkeit auf maximal ein Monatsgehalt beschränkt.

Drei Monatsgehälter bei grober Fahrlässigkeit

Thomas Supper, Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung aus Rottweil Foto: DVAG

Thomas Supper, Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung aus Rottweil Foto: DVAG

Das gilt nicht mehr bei grober Fahrlässigkeit. Hier steigt sie auf maximal drei Monatsgehälter. Unter diese Kategorie fallen Dinge wie Maschinenführung unter Drogeneinfluss. Thomas Supper erklärt: „Das muss aber erst einmal festgestellt werden und kommt auch nur selten vor.“ Auch Vorsatz ist erst einmal nachzuweisen, ist er doch nur bei offensichtlichen Racheakten klar erkennbar. „Wenn man zum Beispiel das Auto des Chefs mit einem Schraubenzieher zerkratzt, zahlt man voll für diese vorsätzliche Tat“, ergänzt Martin Maier, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Ulm. In diesem Fall darf der Betrieb sogar alles von der Ausbildungsvergütung einbehalten, das über dem Existenzminimum liegt. Liegt Fahrlässigkeit vor, ist eine Aufrechnung des Lohnes mit Schadenszahlungen gesetzlich untersagt.

Sich vor Regressforderungen seines Arbeitgebers zu schützen, ist schwierig. „Es gibt keine Absicherung für Arbeitnehmer gegenüber dem Betrieb“, weiß Vermögensberater Supper. Dennoch könnten Azubis Vorkehrungen treffen. So gehöre zum Ausbildungsvertrag meist eine Anlage über Verhaltensregeln im Betrieb, die man gewissenhaft prüfen solle. Auch können Auszubildende darauf bestehen, von ihrem Ausbilder die auszuführenden Tätigkeiten beschrieben zu bekommen, und sie sollten Einweisungen protokollieren. Supper rät: „Belehrungen sind notfalls einzufordern. Das machen viele sonst nicht.“ Der Vorteil der Dokumentation: Der Arbeitgeber muss dann beweisen, dass der Azubi den Schaden durch mittel oder grob fahrlässiges Verhalten verursacht hat. Außerdem sollten Auszubildende nachfragen, wie der Betrieb versichert ist, denn eine Sachinventar- oder eine Kaskoversicherung decken viele Schäden bereits ab.

Maier ergänzt: „Im Schadensfalle sollten Azubis unbedingt die Ausbildungsberatung einschalten.“ Diese könne helfen, einen Kompromiss ohne Gerichtsverhandlung auszuhandeln. „Meistens findet man eine gütliche Einigung.“

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