Risikoreiche Umwege meiden

von JobFit-Projektredaktion | 19. Apr. 2014 | Kommentare deaktiviert für Risikoreiche Umwege meiden

Auszubildende sind gegen finanzielle Folgen von Arbeitsunfällen versichert – Aber dieser Schutz hat Lücken

Auf der Baustelle ist eine Sicherheitsausrüstung zwingend erforderlich, um schlimme, folgenschwere Unfälle zu verhindern.  Foto: Shutterstock

Auf der Baustelle ist eine Sicherheitsausrüstung zwingend erforderlich, um schlimme, folgenschwere Unfälle zu verhindern. Foto: Shutterstock

Mehr als eine Million Unfälle bei der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung für das Jahr 2012 registriert, infolge derer die Betroffenen mehr als drei Tage arbeitsunfähig waren. Auch wenn die Zahlen für 2013 noch nicht vorliegen, ist davon auszugehen, dass sie ähnlich ausfallen. Wie viele Auszubildende unter den Unfallopfern waren, wird in der Statistik nicht extra ausgewiesen.

Klar ist aber, dass auch Arbeitsunfälle von Auszubildenden durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt sind – genauso wie die von Schülern und Studierenden. Denn bei dieser Unfallversicherung handelt es sich um eine Zwangsversicherung für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, in Betrieben und in der Landwirtschaft. Die Beiträge zahlt der Arbeitgeber, wobei die Höhe vom Verdienst des Arbeitnehmers und dem Risiko der Tätigkeit abhängt.

Am häufigsten passieren Unfälle, die mit der beruflichen Tätigkeit verknüpft sind. „Ein Arbeitsunfall kann etwa sein, wenn ein Zimmermann vom Dach fällt oder ein Schreiner mit der Hand in die Fräse gerät“, sagt der Vermögensberater Herbert Arnold aus Eichstegen. Doch auch Unfälle beim Betriebssport, während eines Lehrgangs oder in der Berufsschule zählen zu den Arbeitsunfällen. Der Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) ergänzt: „Privates ist hingegen nicht versichert, etwa der Gang zum Bäcker oder Burgerladen außerhalb des Betriebs“.

Arbeitsweg nicht unterbrechen

Ähnlich löchrig ist der Schutz bei Wegeunfällen. Theoretisch beginnt und endet der Arbeitsweg an der eigenen Haustür. Auch ist er unabhängig vom Verkehrsmittel. Doch bereits Unterbrechungen und Umwege heben den Versicherungsschutz auf. „Der Arbeitsweg darf nicht zu Privatzwecken, wie etwa einkaufen gehen, unterbrochen werden“, weiß der Experte Arnold. Dafür greift der Versicherungsschutz unabhängig vom Verschulden – außer es sind Alkohol oder sonstige Drogen im Spiel.

Herbert Arnold, Deutschen Vermögensberatung (DVAG) Foto: DVAG

Herbert Arnold, Deutschen Vermögensberatung (DVAG) Foto: DVAG

Außerdem zahlt die Versicherung bei Krankheiten infolge der beruflichen Tätigkeit. Doch längst nicht alle Erkrankungen zählen: „Es gibt 73 anerkannte Berufskrankheiten, etwa die Mehlstauballergie beim Bäcker. Andere werden nur in Ausnahmefällen anerkannt“, fügt der Vermögensberater hinzu. Wer als Auszubildender schwer erkrankt und einen eindeutigen Zusammenhang zu seiner Ausbildungstätigkeit herstellen kann, sollte dies dem Arbeitgeber sofort mitteilen, damit dieser die Versicherung einschalten kann.

Folgekosten oft nicht abgedeckt

Die gesetzliche Versicherung übernimmt jedoch nur die Behandlungskosten und zahlt bei einem Arbeitsausfall von mehr als sechs Wochen ein Verletztengeld. Bei bleibenden Schäden überweist sie ab einer Invalidität von mindestens 20 Prozent eine Pflegerente, die sich am bisherigen Lohn orientiert. „Viele Folgekosten sind jedoch nicht abgedeckt“, warnt Arnold. Für Aufwendungen wie den barrierefreien Umbau der Wohnung oder Kosten zum Entlasten der Angehörigen komme die Versicherung nicht auf. Auch reichten die Zahlungen nicht aus um den Lebensstandard zu erhalten, geschweige denn zu steigern. Bereits Auszubildende sollten sich daher frühzeitig über eine private Vorsorge informieren.

Eine Variante ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit nahtlos anschließender Pflegeversicherung, die eine lebenslange Rente zahlt, wenn infolge von Krankheit und Unfall ein weiteres Arbeiten nicht mehr möglich ist. Eine andere Option ist eine private Unfallversicherung. Sie deckt auch Freizeitunfälle ab, zahlt je nach Schweregrad des Unfalls, und die maximale Summe lässt sich nach den eigenen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten wählen. Der Experte Arnold rät: „Als Ergänzung zur gesetzlichen Versicherung ist sie unabdingbar.“ Es sei durchaus sinnvoll, sich bereits als Auszubildender Gedanken darüber zu machen, weil etwa die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Menschen günstiger seien und es besondere Starterpakete gebe.

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