Nicht nur berieseln lassen

von JobFit-Projektredaktion | 3. Mai. 2014 | Kommentare deaktiviert für Nicht nur berieseln lassen

In der Berufsschule zählen Eigeninitiative und ein gutes Zeitmanagement

In ihrem Ausbildungsbetrieb wollen Lehrlinge gute Leistungen zeigen. Die Theorie in der Berufsschule sollten sie dabei aber nicht aus den Augen verlieren. Fleiß, Nacharbeiten und Teamarbeit helfen dabei, die Schule gut abzuschließen.

Gemeinsam klappt's am besten: Teamwork wird in der Berufsschule großgeschrieben. FOTO: DANIEL BOCKWOLDT/DPA

Gemeinsam klappt’s am besten: Teamwork wird in der Berufsschule großgeschrieben.
FOTO: DANIEL BOCKWOLDT/DPA

Die Ausbildung im Betrieb ist für Jugendliche nur die halbe Miete. Die andere Hälfte entfällt auf die Berufsschule. Je nach Job lernen die Azubis dort entweder an ein bis zwei Tagen in der Woche oder in einem festgelegten Zeitraum im Jahr als Blockunterricht. Wer denkt, er könne sich dabei auf seinem Stuhl zurücklehnen und berieseln lassen, liegt aber falsch. Die Schulnoten schaut sich unter anderem der zukünftige Arbeitgeber ganz genau an. In die Abschlussnote der Ausbildung fließen sie aber nicht mit ein. Wichtig sind außerdem folgende Punkte:

Anforderungen richtig einschätzen: Die größte Herausforderung ist das richtige Zeitmanagement. Der Aufwand von der betrieblichen Arbeit und den zwei Schultagen werde von vielen unterschätzt, sagt zum Beispiel Peter Reckemeyer, Schulleiter bei den Kaufmännischen Lehranstalten in Bremerhaven. Hinzu kommt, dass Klassenarbeiten oder Referate zu Hause vorbereitet werden müssen. Damit das Lernpensum nicht irgendwann völlig aus dem Ruder läuft, müssen Azubis kontinuierlich am Ball bleiben. „Es geht darum, selbst den Überblick über den Stoff zu behalten.“ Wer die Aufgaben ein paar Monate schleifen lässt und erst am Ende des Berufsschuljahres Gas gibt, kommt leicht in Bedrängnis.

Den Unterricht nicht umgehen: „Die Berufsschule ist nicht so wichtig“ – diese Meinung vertreten nicht nur einige Azubis. Manchmal kursiert diese Haltung im Betrieb. Manch ein Ausbilder schreibt dann eine Entschuldigung für ihren Lehrling, warum er aus betrieblichen Gründen nicht am Unterricht teilnehmen kann. „In Ausnahmefällen wie bei einer Inventur oder saisonalen Arbeiten ist das natürlich in Ordnung“, erklärt Sven Thora. Er kümmert sich bei der Arbeitnehmerkammer Bremen unter anderem um Ausbildungsrecht. Auf Dauer gerieten Jugendliche damit aber leicht in einen Wissensrückstand.

Haben Azubis das Gefühl, ihr Chef möchte sie öfter einmal im Betrieb behalten, sitzen sie in der Zwickmühle. Am besten wenden sie sich dann an ihren Berufsschullehrer. Er kann das Gespräch mit dem Ausbilder suchen. Denn laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) müssen Betriebe ihre Auszubildenden für die Berufsschule freistellen.

Schwächen früh eingestehen: Manchmal merken Jugendliche im Schulunterricht sehr schnell, dass sie hinterherhinken. Je eher sie sich das und ihrem Vorgesetzten oder ihrem Lehrereingestehen, umso besser. „Das wird einem niemand als Schwäche auslegen“, sagt Thora. Ihre Defizite können Azubis beispielsweise mit Nachhilfeunterricht bei einem privaten Bildungsträger ausgleichen. Oder sie nehmen ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch, ein Angebot der Agentur für Arbeit, das für Azubis und den Betrieb nichts kostet. „Der Arbeitgeber oder der Jugendliche kann sich dafür an den Berufsberater bei uns wenden“, sagt Frank Fleischmann, Pressesprecher der Arbeitsagentur Suhl. Die Nachhilfe wird dann individuell und passgenau auf den Azubi zugeschnitten.

Keine Patzer bei den Formalien: Nicht nur ihrem Ausbildungsbetrieb gegenüber haben Jugendliche Pflichten – sondern auch gegenüber der Berufsschule. Das betrifft zum einen die Urlaubsplanung: „Grundsätzlich darf Urlaub nur in der Ferienzeit genommen werden“, sagt Florian Haggenmiller von der Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Einfach schwänzen ist also keine Option.

Wer krank ist, muss dies ebenfalls sowohl seinem Ausbilder als auch seinem Lehrer mitteilen – am besten vor Unterrichtsbeginn. „Ob man eine Krankschreibung vorlegen muss, hängt von der Schulordnung ab“, sagt Thora von der Arbeitnehmerkammer. Im Zweifelsfall fragen Jugendliche besser nach.

Mitstreiter suchen: Kontakt zu ihren Mitschülern sollten Jugendliche nicht nur suchen, um Pläne fürs Wochenende zu schmieden. „Gespräche helfen, den Wissenstand abzugleichen und zu sehen: Wie weit sind die anderen?“, sagt Haggenmiller. Außerdem zeige sich immer wieder, dass Berufsschüler vor allem dann mit ihrem Unterricht zufrieden sind, wenn es eine Schülervertretung gibt. So haben Azubis mehr Mitspracherechte und können Wünsche äußern, welchen Stoff der Lehrer behandeln soll. Auch hier lohnt es sich also, kein Einzelkämpfer zu sein, sondern in der Gruppe zu arbeiten.

Internet: Infos zur Berufsschule der IHK: dpaq.de/gIJHT

Kommentare geschlossen.