Eintrittskarte ins Berufsleben

von JobFit-Projektredaktion | 26. Jul. 2014 | Kommentare deaktiviert für Eintrittskarte ins Berufsleben

Ausbildungszeugnisse sind wichtig für Bewerbungen – Absolventen sollten sie daher genau anschauen

Das Ausbildungszeugnis ist die wichtigste Anlage in der Bewerbungsmappe. FOTO: CONTRASTWERKSTATT/FOTOLIA

Das Ausbildungszeugnis ist die wichtigste Anlage in der Bewerbungsmappe.
FOTO: CONTRASTWERKSTATT/FOTOLIA

Die Prüfungen sind geschafft, die Ausbildung ist fast zu Ende. Viele Azubis denken dieser Tage besonders an eines: eine feuchtfröhliche Abschlussfeier – und das zu Recht. Auch wenn etwas Abstand gut tut, ist es wichtig, sich rechtzeitig um sein Ausbildungszeugnis zu kümmern. Insbesondere Auszubildende, die nicht von ihrem Betrieb übernommen werden, sollten gesteigerten Wert auf dieses Papier legen.

Laut Berufsbildungsgesetz hat jeder Auszubildende einen Anspruch auf ein Ausbildungszeugnis, unabhängig davon, ob er oder sie übernommen wurde oder das Arbeitsverhältnis mit dem Ausbildungsabschluss endet. Kommt es bei der Ausstellung des Dokuments also zu Verzögerungen, sollte sich kein Azubi scheuen, beim Betrieb nachzufragen und auf eine schnellstmögliche Ausstellung zu bestehen. Schließlich geht es um ein wichtiges Dokument für zukünftige Bewerbungen. Und bei der Jobsuche sollte man besser keine Zeit verlieren.

Hält der Auszubildende sein Zeugnis endlich in den Händen, sollte dieses auf ein paar formale Details hin überprüft werden. Sie können im Zweifelsfall über die Qualität und Aussagekraft eines Ausbildungszeugnisses entscheiden.

Es gilt zunächst zwei verschiedene Formen von Arbeitszeugnissen zu unterscheiden: das einfache und das qualifizierte. Das einfache Zeugnis enthält lediglich die persönlichen Daten des Auszubildenden, die Dauer des Ausbildungsverhältnisses und die Beschreibung der ausgeführten Tätigkeiten – ohne Leistungsbewertung. Aus dem Zeugnis muss außerdem hervorgehen, ob das Ausbildungsziel erreicht wurde. Ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis erhält nur, wer dieses im Vorfeld extra beantragt hat. Der Unterschied zum einfachen Ausbildungszeugnis besteht in der Leistungsbewertung. Sie beinhaltet Anmerkungen zur Ausbildungsbereitschaft, der Ausbildungsbefähigung, Fertigkeiten und Kenntnisse, der Lernund Arbeitsweise und gegebenenfalls besondere Erfolge während der Ausbildung.

Wichtig ist auch die Form des Ausbildungszeugnisses. Es muss maschinenschriftlich auf einem Firmenpapier verfasst sein und das korrekte Ausstellungsdatum – den letzten Tag des Ausbildungsverhältnisses – tragen sowie das Datum der bestandenen Abschlussprüfung benennen. Ein unsauberes, handschriftlich verbessertes oder fehlerhaftes Zeugnis sollte auf jeden Fall abgelehnt werden, weil es bei Bewerbungen einen schlechten Eindruck hinterlässt.

Codes hinter Formulierungen

Auch inhaltlich sollten Auszubildende ihr Zeugnis eingehend prüfen, denn jeder hat ein Anrecht auf ein wohlwollendes Zeugnis, das den Absolventen in gutem Licht darstellt. Das gilt auch für die Sprache. Hier gibt es keine gesetzlichen Vorgaben – aber einige Regeln, an die sich der Ausbilder zu halten hat.

Bei der Benotung haben sich Formulierungen eingebürgert, die jeder Auszubildende kennen sollte. Denn hinter jeder Formulierung versteckt sich ein Code, der die wahre Einschätzung des Ausbilders verschlüsselt. Die Bewertung „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist eine Code für „sehr gut“. „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ ist hingegen gleichbedeutend mit „gut“. Wer laut Zeugnis seine Arbeit „zu unserer vollen Zufriedenheit“ erledigt hat, sollte besser mit dem Ausbildungsbetrieb Rücksprache halten, weil die Formulierung in der Regel auf eine Unstimmigkeit hindeutet.

Außerdem gibt es zahlreiche Formulierungen, die für Laien positiv klingen mögen, jedoch eine mangelhafte Leistung bescheinigen. „Er hat sich stets bemüht“ steht beispielsweise für eine mangelhafte Leistung, gleichzusetzen mit der Schulnote 5. „Sie hat alle Aufgaben ordnungsgemäß erledigt“ meint, dass jede Aufgabenstellung bürokratisch und wenig kreativ umgesetzt wurde. „Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen“ ist ein Code für Überheblichkeit.

Gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis kann übrigens gerichtlich vorgegangen werden. Jedoch sollte dieser Schritt als letzter Weg infrage kommen. Im Normalfall lässt ein Ausbilder mit sich reden. Schließlich ist es auch in seinem Interesse, dass seine Auszubildenden gut in ihre berufliche Zukunft starten.

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