Böse Überraschungen beim Kredit vermeiden

von JobFit-Projektredaktion | 9. Aug. 2014 | Kommentare deaktiviert für Böse Überraschungen beim Kredit vermeiden

Was Auszubildende beachten müssen, bevor sie mit der Bank über ein Darlehen verhandeln

Gerade Auszubildende und jüngere Menschen müssen scharf kalkulieren, bevor sie einen Kredit aufnehmen.  Foto: Andrey Popov / Fotolia

Gerade Auszubildende und jüngere Menschen müssen scharf kalkulieren, bevor sie einen Kredit aufnehmen. Foto: Andrey Popov / Fotolia


Es ist ein gutes Gefühl, das erste Mal den Lohn ausgezahlt zu bekommen. Ein Stück Unabhängigkeit, ein wenig mehr Freiheit bringt das eigene Geld. Doch nach ein paar Monaten kehrt bei manchem Auszubildenden Ernüchterung ein: Große Sprünge lassen sich mit einem Monatslohn nicht machen, dafür sind die laufenden Kosten für Wohnung, Telefon, Essen und Getränke einfach zu hoch. Um sich dennoch größere Wünsche erfüllen zu können, sind Azubis auf Finanzspritzen angewiesen. Und warum nicht zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen? Schließlich werben die Kreditinstitute derzeit doch mit günstigen Konditionen. Zuvor muss allerdings vieles bedacht werden.

„Es ist nicht normal, sich Geld zu leihen“, stellt Fritz Wiest, Experte bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), klar. Kredite seien nur in Ausnahmefällen sinnvoll, etwa beim Kauf einer Immobilie. Oft unterschätze man die Kosten eines Darlehens. Zudem lege man sich über Monate oder gar Jahre fest – gerade für Azubis, die nach der Ausbildung noch mal zur Schule oder Universität gehen wollen, ein wichtiger Punkt. Denn der Kredit muss auch dann weiter bedient werden.

Wer dennoch ein Darlehen aufnehmen will, sollte genau ausrechnen, welche Raten er sich leisten kann. Wiest empfiehlt Azubis, zunächst die monatlichen Einnahmen und Ausgaben aufzuschreiben, um schwarz auf weiß zu sehen, welcher Betrag überhaupt übrig bleibt. Dann sollten sie mehrere Monate lang testen, ob sie mit ihrem Geld auskommen, wenn sie eine monatliche Rate abziehen müssten. „Wenn ich den Kredit erst habe, kann ich keinen Rückzieher mehr machen“, so der DVAG-Experte. Kenne man seine finanzielle Grenze, ließe sich leicht die Summe berechnen, die die Bank maximal vorstrecken soll.

Fritz Wiest, Experte bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) Foto: DVAG

Fritz Wiest, Experte bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) Foto: DVAG


Dass ein Kreditinstitut überhaupt Geld an Azubis verleiht, ist nicht sicher. Banken und Sparkassen setzen für ein Darlehen voraus, dass der Kreditnehmer volljährig ist und über ein festes, dauerhaftes Einkommen verfügt. Da eine Ausbildung befristet ist, könnten Azubis an diesem Punkt scheitern. Hilfreich wäre, wenn sie nachweisen können, dass ihr Betrieb sie übernehmen will. „Das fällt leichter, wenn der Betrieb der Bank bekannt ist“, sagt Wiest. Außerdem verbessert es die Position des Kreditnehmers, wenn er bei der Bank bereits Kunde ist.

Der Vermögensberater weiß: „Die Bank prüft außerdem die Bonität über Auskunfteien wie die Schufa.“ Wer also Rechnungen nicht immer pünktlich bezahlt hat oder aus einem anderen Grund einen negativen Eintrag hat, verfügt bei der Bank über schlechte Karten. Auf Basis aller Informationen entscheidet die Bank dann über den Zinssatz – und da kann so mancher Azubi eine böse Überraschung erleben. Denn wenn die Bank die Chancen als gering einstufe, dass sie ihr Geld komplett zurückbekommt, setze sie unter Umständen einen zweistelligen Prozentsatz an. „Wenn ich fünf Prozent bekomme, stehe ich gut da“, erklärt der Experte. Und weil der Spielraum der Banken groß ist, sei ein Vergleich mehrerer Angebote ratsam.

Die monatliche Rate wird natürlich geringer, wenn man sich auf eine längere Laufzeit einlässt. „Ich rate dazu in Kombination mit der Möglichkeit, Sondertilgungen zu leisten“, sagt Wiest. Für die Sonderzahlungen sollte keine Gebühr anfallen. Sind die Kosten für den Kredit dann noch immer zu hoch, hilft nur, die benötigte Summe zu verringern. Der Vermögensberater meint: „Manchmal geht es ja eine Nummer kleiner. Bei einem Auto oder Smartphone kann auch ein älteres Modell ausreichen.“

Und manchmal hilft auch Geduld. Eine Faustregel besage, dass man zehn Prozent des Monatslohns auf die Seite legen solle, so Wiest. Nach einer gewissen Zeit hat man schließlich eine Summe zusammengespart, mit der sich viele Wünsche bereits erfüllen lassen – ganz ohne Kredit.

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