Abwarten und nachfragen

von JobFit-Projektredaktion | 6. Sep. 2014 | Kommentare deaktiviert für Abwarten und nachfragen

Wer jetzt seine Lehrstelle antritt, sollte wichtige Verhaltensregeln fürs Berufsleben kennen und beherzigen

Auch für Telefongespräche im Betrieb gibt es Regeln, mit denen Auszubildende frühzeitig vertraut gemacht werden.  Foto: contrastwerkstatt/Fotolia

Auch für Telefongespräche im Betrieb gibt es Regeln, mit denen Auszubildende frühzeitig vertraut gemacht werden. Foto: contrastwerkstatt/Fotolia


Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit – diese drei Regeln, die jeder Azubi berücksichtigen sollte, sind bereits aus der Schulzeit bekannt. Der Berufsalltag bringt jedoch weitere Details mit sich. „Die Umstellung ist deshalb für einige Jugendliche nicht ganz einfach“, sagt Silvia Geppert. Die stellvertretende Abteilungsleiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung der IHK Ulm rät frischgebackenen Azubis dazu, sich der Anforderungen, die fortan gestellt werden, noch vor Ausbildungsbeginn klar zu werden: „Am Ausbildungsplatz kann man sich beispielsweise nicht in einer Gruppe verstecken wie früher in der Klasse.“

Auch Unpünktlichkeit wird keinesfalls toleriert und es gibt kein „Durchrutschen“, wenn der Jugendliche etwas nicht versteht. „Deshalb sollten sich die Auszubildenden nicht scheuen, höflich nachzufragen, sobald ihnen etwas unklar ist.“ Diese Form von Eigenverantwortung und Eigeninitiative werde in Betrieben erwartet und gewünscht, weiß die Ausbildungsexpertin. „Es ist auch sinnvoll, sich im Vorfeld über die Hierarchien am künftigen Arbeitsplatz kundig zu machen, dann kann man den Chef mit einem herzlichen „Grüß Gott, Herr XYZ“ begrüßen, wenn man ihm auf dem Flur begegnet.“ Wobei ohnehin gilt, dass Auszubildende ältere Mitarbeiter zuerst grüßen und grundsätzlich siezen.

Unproblematischer als oft gedacht

Doch trotz des Eintritts in einen neuen Lebensabschnitt mit neuen Benimmregeln: Angst müssen Azubis vor dem Berufsalltag nicht haben. Vieles ergibt sich von selbst und ist unproblematischer als gedacht. Wer in den ersten Tagen zu den Pausenzeiten, dem Prozedere bei Krankmeldungen oder anderen betriebsinternen Regeln Fragen hat, braucht sich nicht scheuen, den Ausbilder zu fragen. „Bei verbindlichen Dingen ist immer der Pate oder Ausbilder der Ansprechpartner, oft gibt es auch Papiere zu betriebsinternen Regelungen, die dem Auszubildenden überreicht werden“, sagt Silvia Geppert. „Anders als vielleicht bei zwischenmenschlichen Fragen macht es hier keinen Sinn, andere Mitarbeiter oder Auszubildende nach ihrer Meinung zu fragen.“

Und noch einen Tipp gibt sie für die ersten Tage im Betrieb: „Einen Bus früher als nötig nehmen, um nicht gestresst anzukommen.“ Sowieso sollten Azubis genügend Zeit für die Anfahrt einplanen: Wenn der Arbeitsbeginn acht Uhr ist, gilt es mindestens einige Minuten vorher da zu sein. In Berufen, in denen Arbeitskleidung erforderlich ist, etwa im Hotel- und Gastrogewerbe oder auf dem Bau, wird die Zeit fürs Umziehen nicht eingerechnet.

Ist keine Arbeits- oder Schutzkleidung vorgesehen, ist es trotzdem ratsam, sich angemessen zu kleiden. „In der Bank geht es zum Beispiel nicht ohne Anzug oder Kostüm“, so Geppert. „Generell ist ordentliche, zurückhaltende Kleidung angeraten, also kein Freizeitlook wie noch zu Schulzeiten.“ Am Schnuppertag oder bei früheren Praktika, so die Expertin, habe man vielleicht schon mitbekommen, wie sich andere Mitarbeiter des Betriebs kleiden, und das könne als Orientierung dienen. Doch nicht nur ordentliche, dem Berufszweig entsprechende Kleidung gehört vom ersten Tag an zur Ausbildung.

Gutes Benehmen äußert sich auch darin, dass man zuhört und Ratschläge annimmt. Falls der Ton in der Abteilung manchmal ungewohnt rau ist, sollte der Auszubildende dies keinesfalls sofort persönlich nehmen. „Viele Jugendliche fühlen sich eingeschüchtert, sobald Anforderungen kurz und knapp an sie gerichtet werden“, weiß Silvia Geppert. Hilfreicher ist es, gelassen, sachlich und ruhig zu reagieren. Gibt es bleibende Probleme mit dem Umgangston oder Anforderungen, können Feedback-Gespräche hilfreich sein. „Die Jugendlichen können aktiv an diesen obligatorischen Gesprächen teilhaben und dort auch Erwartungen formulieren oder Probleme sachlich zur Sprache bringen.“ Keinesfalls, so die Expertin, solle man Probleme monatelang in sich hineinfressen, „denn oft können sie durch ein klärendes Gespräch ganz einfach gelöst werden“.

Info Die IHK Ulm bietet in ihrem Projekt „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ Beratungen und Mediationsgespräche an, falls es Schwierigkeiten bei der Ausbildung gibt. Ansprechpartner: Hans-Jörg Schmidt, Tel. 0731-173283.
Buchtipp: „Bin gut angekommen“. Die wichtigsten sozialen Spielregeln für Azubis, von Ingrid Ehlers. BW Verlag, 17,80 Euro. Das Buch bietet einen unterhaltsamen Überblick über die Zeit als Lehrling und macht so deutlich, wie man bei seinen Kollegen „gut ankommt“.

Kommentare geschlossen.