Erfolgreich jenseits aller Rollenklischees

von JobFit-Projektredaktion | 20. Sep. 2014 | Kommentare deaktiviert für Erfolgreich jenseits aller Rollenklischees

Wer in einem für das andere Geschlecht typischen Beruf arbeitet, überzeugt meist durch großes Engagement

Grundschullehrer sind ebenso wie Erzieher hierzulande eine Seltenheit und haben mit mehr Vorurteilen zu kämpfen als zum Beispiel junge Frauen, die ein traditionell männliches Handwerk oder einen technischen Beruf erlernen wollen.  Foto: Christian Schwier/Fotolia

Grundschullehrer sind ebenso wie Erzieher hierzulande eine Seltenheit und haben mit mehr Vorurteilen zu kämpfen als zum Beispiel junge Frauen, die ein traditionell männliches Handwerk oder einen technischen Beruf erlernen wollen. Foto: Christian Schwier/Fotolia

Sicher, ein bisschen Mut gehört schon dazu, um gegen den Strom zu schwimmen. Aber Jungen und Mädchen, die sich bei der Ausbildungswahl nicht einengen lassen, haben oft bessere Karrierechancen und mehr Freude am Beruf als diejenigen, die in klassischen Rollenklischees gefangen bleiben.

Die Ausbildungsbetriebe im sozialen Bereich, der Alten- oder Krankenpflege freuen sich über Bewerbungen von Jungen. „Für uns ist es selbstverständlich, Mädchen und Jungen gleichermaßen den Zugang zur Erzieherausbildung zu ermöglichen“, sagt Julia Holzhauer, Abteilungsleiterin Kindertageseinrichtungen der Stadt Friedrichshafen. Allerdings, so die Erfahrung in der Region: Es bewerben sich nur sehr wenige Jungen für einen Ausbildungsplatz im pädagogischen Bereich. Dabei sind die Aufstiegschancen für Männer in diesem Metier außerordentlich gut. Oft nehmen sie nach einigen Jahren im Beruf Leitungspositionen ein und sind bei der späteren Stellensuche fast immer im Vorteil.

Aber meist erhalten Jungen von der Familie und Freunden wenig Unterstützung, wenn sie einen unkonventionellen Berufswunsch äußern. Bei Mädchen gibt es mittlerweile weniger Vorurteile. Mit 15 Jahren begeisterte sich Charlotte Steinbach aus Senden für die freiwillige Feuerwehr. Ihre Eltern standen ihr dabei nicht im Wege und auch als die Tochter plötzlich Chemikerin werden wollte, zeigten sie Verständnis. „Ich hatte mich vorher nie für Naturwissenschaften interessiert, aber meine Eltern haben mein ernsthaftes Interesse erkannt und mich deshalb unterstützt“, sagt die heute 29-Jährige. Charlotte begeisterte sich für das Fach, „weil chemische Gefahrstoffe bei Brandeinsätzen immer häufiger eine Rolle spielen, da wollte ich mehr wissen“.

Inzwischen macht die Diplom-Chemikerin ihren Doktor und ist als Freiwillige mit dem ABC-Löschzug unterwegs. Um sofort einsatzbereit zu sein, lebt sie im Feuerwehrwohnhaus an der Wache in Ulm. Sowohl bei der Feuerwehr als auch bei Kommilitonen stieß Charlottes Engagement schnell auf Anerkennung. „Klar kamen mal markige Sprüche, aber davon sollte man sich nicht verunsichern lassen.“ Die männlichen Kollegen sind meist schnell bereit, Leistung und Engagement anzuerkennen, so Charlotte Steinbachs Erfahrung.

Begeisterung für den Beruf wichtigstes Einstellungskriterium

Für Hartmut Steeb, der die Schreinerwerkstatt an der Universität Ulm leitet, sind das richtige Alter, die schulischen Leistungen und die Begeisterung für den Beruf ebenfalls wichtiger als das Geschlecht, wenn er einen Lehrling einstellt. Anna-Katharina Mayer konnte bei ihrer Bewerbung für eine Schreinerlehre in allen drei Punkten überzeugen und heute ist die 19-Jährige im dritten Lehrjahr. Die Ausbildung zum Schreiner ist bei ihr der erste Schritt. „Später möchte ich gern im Blasinstrumentenbau arbeiten, da ist diese Ausbildung eine gute Voraussetzung“, sagt die junge Frau. Für das Handwerk begeisterte sie sich schon als Kind. „Mein Opa war Schreiner und ich habe sehr gern mit ihm gebastelt, ein Bürojob wäre nichts für mich.“ Im Bekanntenkreis gab es zwar auch einige, die skeptisch waren, als sie vom Berufswunsch der Schülerin erfuhren, aber mittlerweile hat Anna-Katharina bewiesen, dass sie es ernst meint und den Anforderungen des Berufs gewachsen ist. Für Mädchen, die sich ebenfalls für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, hat sie einen guten Rat: „Auf jeden Fall sollte man einige Praktika machen, um den richtigen Beruf zu finden und sich darin auszuprobieren.“

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