Alles auf Anfang

von JobFit-Projektredaktion | 28. Mrz. 2015 | Kommentare deaktiviert für Alles auf Anfang

Eine zweite Ausbildung kann sich lohnen – wenn die Voraussetzungen stimmen

Nachwuchs erwünscht: Wer einen neuen Ausbildungsplatz sucht, ist gerade auch im Handwerk willkommen. Foto: dpa

Nachwuchs erwünscht: Wer einen neuen Ausbildungsplatz sucht, ist gerade auch im Handwerk willkommen. Foto: dpa

Puh! Das waren anstrengende Lehrjahre. Die Ausbildung ist zwar geschafft, aber so richtig wohl fühlt sich so mancher trotz Abschluss im Beruf immer noch nicht. Doch wie soll es sonst weitergehen? Bietet eine zweite Ausbildung in einem artverwandten Beruf oder sogar in einem völlig neuen Bereich eine bessere Alternative? Warum nicht! Allerdings gilt es, im Vorfeld einige Punkte zu bedenken.

In der Wirtschaft werden die betrieblichen Erfahrungen von Auszubildenden, die bereits eine Lehrzeit absolviert haben, häufig positiv bewertet. Schließlich bringen diese Bewerber wertvolles Wissen um den Berufsalltag mit und verfügen häufig auch über eine bessere Selbstorganisation als Lehrstellenanwärter, die direkt von der Schulbank kommen.

Argumente genau abwägen

„Insgesamt wurde 2013 für rund 10,7 Prozent der Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen eine Vorbildung gemeldet“, sagt Susanne Walter vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Also sind junge Menschen, die sich für einen zweiten Ausbildungsgang entscheiden, gar nicht so selten. Trotzdem sollte dieser Schritt wohlüberlegt sein. Eine persönlich erstellte Liste mit dem Für und Wider ist sinnvoll, und die jeweiligen Argumente müssen genau abgewogen werden. Das hilft übrigens meistens auch bei der Entscheidung, in welchem Bereich die neue Ausbildung angestrebt werden könnte.

Falls es mit dem zweiten Ausbildungsplatz klappt, ist es – ähnlich wie bei Abiturienten – nach Paragraf 8 Berufsbildungsgesetz möglich, die Lehrzeit um bis zu zwölf Monate zu verkürzen. Hierfür müssen sowohl der Azubi als auch der Ausbilder bei der zuständigen Kammer einen Antrag stellen. Verkürzungen werden leichter gewährt, wenn der zweite Beruf artverwandt mit dem ersten ist. Schließt beispielsweise eine gelernte Bürokauffrau eine Ausbildung zur Bankkauffrau an, so wird in der Regel weder die örtliche IHK noch der Ausbildungsbetrieb einer Verkürzung widersprechen.

Eine kürzere Ausbildungszeit hat vor allem finanzielle Vorteile. Denn auf die Berufsausbildungsbeihilfe muss bei der zweiten Ausbildung verzichtet werden. Das bedeutet: noch zwei bis drei Jahre mit dem eher mageren Ausbildungsgehalt hinkommen. Wer das 25. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen hat, besitzt aber weiterhin Anspruch auf Kindergeld. Bedingung ist, dass während der zweiten Ausbildung keiner „schädlichen Erwerbstätigkeit“ nachgegangen wird. Als nicht schädlich gelten Nebenjobs, die nicht mehr als 20 Wochenstunden umfassen, sowie geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Außerdem besteht die Möglichkeit, Wohngeld bei der Wohngeldstelle zu beantragen.

Wer sich für eine neue Ausbildung entscheidet, sollte auch die innerbetrieblichen Hierarchien im Kopf behalten. Trotz des nunmehr höheren Lebensalters und der beruflichen Erfahrung ist die Position eines Auszubildenden immer die eines Lernenden. Apropos Alter und Erfahrung: Sobald ein Bewerber älter als 30 Jahre ist, verringern sich die Chancen auf einen zweiten Ausbildungsplatz rapide. Auch deshalb sollte die Entscheidung nicht zu lange hinausgezögert werden.

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