Auch der längere Weg führt zum Ziel

von Projektredaktion | 14. Mrz. 2015 | Kommentare deaktiviert für Auch der längere Weg führt zum Ziel

Die Ausbildung in Teilzeit ist gesetzlich geregelt – Doch bisher machen nur wenige davon Gebrauch

Junge Eltern haben volles Programm: Frühmorgens raus, Frühstück machen, den Nachwuchs in die Kita bringen, nachmittags abholen, miteinander spielen, schnell noch ein paar Besorgungen erledigen, dann Abendessen und ab ins Bett. Ein Vollzeitjob ist das. Zeit, um an sich selbst zu denken, bleibt kaum – geschweige denn an eine Ausbildung. Zumindest Letzteres aber ist ein weit verbreiteter Irrtum. Elternschaft und Ausbildung lassen sich miteinander vereinbaren, denn das deutsche Berufsbildungsgesetz besagt, dass eine Verkürzung der Ausbildung möglich ist, „wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird“.

Jobfit Ausbildung Teilzeit Foto: F. Gaertner Fotolia

Für junge Mütter ist die Teilzeitausbildung eine Chance, einen Beruf zu erlernen und trotzdem genug Zeit fürs Kind zu haben. Foto: F. Gärtner/Fotolia

Verkürzung meint, dass die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit im Betrieb reduziert wird, um ausreichend Zeit zu finden, sich der Familie zu widmen. Die Gesamtdauer der Ausbildung verlängert sich dadurch nicht zwangsläufig. Nur, wenn sich die wöchentliche Arbeitszeit auf 25 oder weniger Stunden beläuft, ist eine Verlängerung um ein halbes oder ganzes Jahr wahrscheinlich. Doch auch das ist eine Einzelfallentscheidung, bei der die schulische Vorbildung und eine eventuell bereits absolvierte Berufsausbildung berücksichtigt werden. Der Unterricht an der Fachschule kann hingegen nicht verkürzt werden.

Ein „berechtigtes Interesse“ muss nachgewiesen werden

In Anspruch nehmen kann das Angebot jeder, der ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen kann – so formuliert es der Gesetzgeber. Ein solches berechtigtes Interesse liegt dann vor, wenn ein eigenes Kind betreut oder ein Angehöriger gepflegt werden muss oder wenn andere schwerwiegende Gründe wie eine Behinderung vorliegen.

Obwohl das Angebot einer Teilzeitausbildung bereits seit 2005 im Berufsbildungsgesetz und in der Handwerksordnung verankert ist, wurde es bislang vergleichsweise wenig genutzt. 2013 wurden bundesweit gerade einmal 1638 Teilzeitsausbildungsverträge geschlossen – das entspricht 0,3 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge. Der demografische Wandel könnte dies ändern: Immer größer wird die Zahl jener Unternehmen, die ihre Ausbildungsplätze aufgrund fehlender Bewerber nicht besetzen können. Darum hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren viele Initiativen ins Leben gerufen, um auch jungen Leuten, die nicht die Zeit für eine Vollzeitausbildung haben, eine Ausbildung in Teilzeit zu ermöglichen.

Unterstützung bekommen junge Eltern von den Arbeitsagenturen, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerks-kammer. Sie alle informieren über das Ausbildungsangebot und können auf Ausbildungsplätze verweisen. Arkus, eine Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, hat das Projekt „TAFF – Teilzeitausbildung für Frauen“ ins Leben gerufen, um alleinerziehenden, arbeitslosen Müttern bis 45 Jahren eine Ausbilung zu ermöglichen.

Von sich aus bieten die Ausbildungsunternehmen diese Möglichkeit allerdings nur selten an. Wer eine Teilzeitausbildung in Erwägung zieht, muss daher den Mut aufbringen, das Thema im Vorstellungsgespräch selbst anzusprechen.

Im Durchschnitt haben Azubis in Teilzeit bessere Abschlussnoten

Aber keine Sorge: Viele Betriebe sind inzwischen offen für das Thema, weil sie ein eigenes Interesse daran haben: Sie wissen, dass junge Menschen mit Familie ein hohes Maß an Lebenserfahrung und Verantwortung mitbringen und Organisationstalente sind. Außerdem ist erwiesen, dass die Fehlzeiten der Azubis in Teilzeit nicht höher liegen als die von Vollzeitazubis. Und die Abschlussnoten der Teilzeitazubis sind im Durchschnitt sogar besser.

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