Wie der pas­sen­de Schlüs­sel fürs Schloss

von Projektredaktion | 20. Jun. 2015 | Kommentare deaktiviert für Wie der pas­sen­de Schlüs­sel fürs Schloss

Wer sich als perfekter Kandidat für eine Stelle empfehlen will, sollte auf standardisierte Bewerbungen verzichten

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Natürlichkeit kommt oft am besten an: Bewerberinnen und Bewerber sollten bei der Selbstdarstellung keinesfalls übertreiben. Foto: Shutterstock

Ist die Ausbildung beendet, mischt sich bei vielen Jugendlichen in die Freude häufig auch Angst. Wer nicht übernommen wird oder sich neu orientieren möchte, steht gleich wieder vor einer großen Herausforderung: der ersten Bewerbung. Wie kann ich mich gut darstellen? Was gehört in die Unterlagen hinein und was ist überflüssig? Fragen, auf die viele keine Antwort wissen.

Dabei ist vor allem eines wichtig, sagt der Berliner Bewerbungscoach Branko Woischwill: „Sorgfalt und Genauigkeit“. Rechtschreibfehler oder Fettflecken auf den Unterlagen sorgen in der Regel dafür, dass die Bewerber direkt aussortiert werden. Zweiter Kardinalfehler sind standardisierte Bewerbungen, die massenhaft versandt werden. Aus dem Anschreiben muss ersichtlich werden, dass der Bewerber ernsthaftes fachliches Interesse am Betrieb hat. Um dieses Interesse zu beweisen, sollten Azubis sich über jede Firma genauestens informieren, bei der sie eine Bewerbung einreichen. Was zeichnet den Betrieb aus? Und wie passt mein eigenes Profil dort hinein? „Auf den künftigen Arbeitgeber muss es so wirken, als sei der Bewerber genau der richtige Schlüssel für das eigene Schloss“, sagt Branko Woischwill.

Der Bewerbungscoach empfiehlt zusätzlich zum Anschreiben und dem Lebenslauf ein luftig gestaltetes Deckblatt, auf dem ein Foto und die Kontaktdaten elegant präsentiert werden können. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail: „E-MailAdressen wie ’süssesusi@xy.de‘ oder ‚Andi18‘ sind natürlich tabu, das wirkt unseriös.“

Immer mehr Firmen bevorzugen Online-Bewerbungen

Mehr als eine Seite Anschreiben und eine Seite Lebenslauf hält der Bewerbungscoach nicht für nötig. „Es kommt nicht auf die Länge, sondern den Inhalt an.“ Immer mehr Firmen bevorzugen übrigens eine Online-Bewerbung. „Aber auch hier ist Recherche gefragt“, sagt Woischwill. Immer häufiger findet sich in Ausschreibungen auch der Satz: „Bitte verwenden Sie das Online-Formular.“ Hier ist gewissenhaftes Ausfüllen gefragt – vor allem in den Freitextfeldern. „Hier haben die Bewerber die Chance, sich von der Masse hervorzuheben und zu punkten“, sagt Businesscoach Christina Panhoff. Das erste Freitextfeld sollte mit einer Begrüßung beginnen, im letzten wird eine Schlussformel untergebracht. Ansonsten gilt es, schnell auf den Punkt zu kommen: „Bereits in den ersten fünf Sätzen muss klar werden, dass Sie der perfekte Kandidat sind. Ein ,Hiermit bewerbe ich mich …‘ hat hier nichts verloren – im Übrigen auch nicht in einer postalischen Bewerbung.“

Ob die Bewerbung postalisch, per E-Mail oder Online-Maske eingereicht wird, hängt von den Wünschen des Unternehmens ab. „Am besten ruft man bei der Firma an oder informiert sich im Internet über das übliche Bewerbungsverfahren“, empfiehlt Woischwill. Bei dieser Gelegenheit können Bewerber auch gleich den Namen des Personalverantwortlichen herausfinden. Wenn die Bewerbung an eine konkrete Person gerichtet ist, macht dies einen sehr viel besseren Eindruck als ein Anschreiben, das mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnt.

Vorher über das Unternehmen informieren

Ein Anruf hat auch einen zweiten positiven Effekt. Jeder Hinweis auf Eigeninitiative ist ein Pluspunkt für den Bewerber. Diese Einsatzbereitschaft können Berufsanfänger auch im Bewerbungsgespräch verdeutlichen, indem sie Fragen zum Betrieb stellen, die zeigen, dass sie sich im Vorfeld schlaugemacht haben. Branko Woischwill warnt Berufsanfänger aber davor, hier zu übertreiben. Wichtig sei es, auch in Bezug auf die eigenen Stärken und Schwächen authentisch zu bleiben. „Sonst sind hinterher beide Seiten unzufrieden.“

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