Men­schen auf ih­rem letz­ten Weg be­glei­ten

von Projektredaktion | 29. Aug. 2015 | Kommentare deaktiviert für Men­schen auf ih­rem letz­ten Weg be­glei­ten

Manuel Breyer hat sich für eine Ausbildung zum Bestatter entschieden

Von Robert Kolm

Bestatter Foto Robert Kolm

Für Manuel Breyer war es keine Frage, dass er wie seine Eltern als Bestatter arbeiten möchte. Foto: Robert Kolm

Na ja, man muss in dem Beruf schon psychisch gefestigt sein. Das ist sicherlich nicht für jeden was“, sagt Manuel Breyer. Der 19-Jährige macht im Betrieb seiner Eltern eine Ausbildung, die viele junge Leute für sich wohl ausschließen: Manuel Breyer arbeitet als Bestattungsfachkraft und wird eines Tages die Firma seiner Eltern übernehmen, die zwei Geschäftsstellen in Lindau und Sigmarszell besitzen.

Für Breyer war es nie eine Frage, dass er in diesem Beruf arbeiten möchte. „Ich kenne das ja von klein auf und bin damit groß geworden. Und ich fühlte mich einfach dazu berufen“. Gereizt hat ihn vor allem auch die Vielseitigkeit der Arbeit. „Ich kann mit Menschen arbeiten, mich handwerklich betätigen, komme viel herum“, zählt der 19-Jährige auf. Tatsächlich ist die Ausbildung abwechslungsreich: Das Ausheben von Grabstellen gehört dazu. Dies wird heutzutage allerdings nicht mehr mit dem Spaten von Hand, sondern mit einem Bagger gemacht. „Im Winter, wenn die Erde hart gefroren ist, muss man auch schon mal zum Kompressor greifen.“ Einen Baggerführerschein gibt es in Deutschland nicht, die normale Fahrlizenz ist jedoch eine Grundvoraussetzung in dem Gewerbe, schließlich muss auch der Leichenwagen gefahren werden. „Hilfreich ist auch noch ein Lkw-Führerschein, den mache ich gerade“, sagt Breyer. Weitere handwerkliche Tätigkeiten sind zum Beispiel das Anbringen von Griffen und Beschlägen an den Särgen.

Angehörigen Arbeit abnehmen

Eine der wichtigsten Aufgaben als Bestattungsfachkraft ist das Begleiten der Angehörigen in der Trauerphase. „Wir sind dafür da, die Leute zu führen und zu unterstützen, ihnen die Arbeit abzunehmen“, erklärt Breyer. Die Bürokratie muss erledigt, ein Sarg oder eine Urne ausgesucht werden. All das, wofür jemand, der gerade einen lieben Menschen verloren hat, keinen Kopf hat. „Das ist nicht immer ganz einfach“, gibt Breyer zu. Wie man sich dabei mitunter fühlt, hängt auch davon ab, wer der Verstorbene war. War es ein alter oder ein junger Mensch? Ist er sanft entschlafen oder gewaltsam ums Leben gekommen? „Man darf die Gefühle nicht so an sich ranlassen, man muss schon psychisch gefestigt sein“, sagt der junge Mann. Wie es in einem Bestatter aussehe, wenn er nach einem Suizid an die Bahngleise gerufen werde, könne sich aber jeder denken. Halt gibt das positive Feedback, dass er mitunter von den Hinterbliebenen bekommt. „Da spürt man die Dankbarkeit.“

Die gesamte Trauerfeier muss geplant und gestaltet werden, es kommen viele Fragen auf: Soll es eine Erd- oder eine Feuerbestattung geben? Wie soll die Zeremonie ablaufen? Welche Musik soll gespielt werden, welche Lieder gesungen? „Etwa 75 Prozent der Bestattungen sind Feuerbestattungen, der Rest Erdbestattungen“, erzählt Breyer. Auch der Blumenschmuck wird nach Vorgabe der Angehörigen beim Gärtner bestellt. Trauerdruck wie Todesanzeigen oder Trauerkarten und Sterbebilder müssen angesprochen und entsprechend der Vorstellung der Hinterbliebenen kreiert werden. Trauerkarten und Sterbebilder werden dann auch im eigenen Haus gedruckt.

Dass die Menschen immer mehr an den Kosten einer Bestattung sparen, ist ein Trend, den Breyer nur bedingt bestätigen kann. „In Österreich wird aber schon noch etwas mehr Wert auf die Tradition gelegt, und die Leute geben mehr Geld aus“, sagt er. Ein Sarg koste ab 500 Euro, nach oben gibt es keine Grenze. Die ganz teuren Modelle würden aber eher selten gekauft. Die Anschaffung dieser Ware macht einen weiteren Teil der Ausbildung aus, dort geht es dann vor allem um Rechnungswesen. Dies wird in der Staatlichen Berufsschule in Bad Kissingen gelehrt, die Breyer blockweise besucht. Dazu kommen noch Seminare in der Theo-Remmertz-Akademie in Münnerstadt.

Wer übrigens glaubt, dass Bestattungsfachkraft ein typischer Männerberuf ist, der irrt. „In meiner Berufsschulklasse sind mehr Frauen als Männer“, sagt Breyer.

Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft dauert in der Regel drei Jahre, kann aber verkürzt werden. Mehr Infos unter: www.ausbildung.de/berufe/bestattungsfachkraft

Kommentare geschlossen.