Steu­er-Ein­mal­eins für Azu­bis

von JobFit-Projektredaktion | 14. Nov. 2015 | Kommentare deaktiviert für Steu­er-Ein­mal­eins für Azu­bis

Was es alles zu beachten gibt, wenn man sein erstes eigenes Geld verdient

Wenn das erste selbstverdiente Geld endlich auf dem Konto ist, stellt sich bei manch einem Azubi Ernüchterung ein. Denn die Summe auf dem Konto stimmt in der Regel nicht mit dem im Ausbildungsvertrag vereinbarten Bruttolohn überein. Zum großen Teil liegt das an den gesetzlichen Abgaben für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Zuweilen verlangt aber auch der Staat einen kleinen Obolus: „Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer – wer als Auszubildender steuerpflichtig ist, der hat wie andere Arbeitnehmer auch Abgaben zu leisten“, erklärt Tanja Braunsteffer vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. in Erbach-Ring-ingen. Deshalb kann es sich auch für Lehrlinge lohnen, sich rechtzeitig mit dem Thema Steuererklärung auseinanderzusetzen. Schließlich gewährt der Fiskus manche Vergünstigungen nur dann, wenn man das Jahr über fleißig Quittungen und Belege gesammelt hat.

Steuern werden fällig bei einer Vergütung von über 945 Euro

Auch für Auszubildende kann es sich lohnen, eine Steuererklärung abzugeben. Foto: www.studiolamagica.de

Auch für Auszubildende kann es sich lohnen, eine Steuererklärung abzugeben. Foto: www.studiolamagica.de

Grundsätzlich gilt: Steuern zahlen ledige Auszubildende nur dann, wenn ihre monatliche Vergütung mehr als 945 Euro beträgt. Alleinerziehende zahlen erst ab einem Einkommen von über 1077 Euro. In Monaten mit Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld liegen Azubis schon mal darüber. In manchen handwerklichen Berufen kann es zudem Lehrlinge im zweiten oder dritten Lehrjahr betreffen. Die Lohnsteuer zieht der Hauptarbeitgeber dann automatisch vom Bruttogehalt ab und führt sie ans Finanzamt ab, ebenso Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Dafür benötigt er das Geburtsdatum und die beim Bundeszentralamt erhältliche persönliche Steuer-Identifikationsnummer, sofern diese Informationen nicht bereits vorliegen.

„Azubis werden meist sämtliche Steuern erstattet“, weiß Steuerexpertin Braunsteffer. „Dafür kann sich die Abgabe der Steuerklärung lohnen.“ Durch die Abgabe einer Steuererklärung können Azubis nur gezahlte Steuern zurückholen. „Auszubildende, deren Ausgaben für Werbungskosten über den Einnahmen liegen, können durch die Abgabe einer Steuererklärung eine Verlustfeststellung beantragen, die dann im folgenden Jahr die Steuerlast verringern kann“, empfiehlt Tanja Braunsteffer. Absatzfähig sind zum Beispiel alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Ausbildung anfallen. Dazu gehören Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen wie Bafög oder einen Bildungskredit ebenso, wie Lehrgangs-, Prüfungs- und Zulassungsgebühren, aber auch Ausgaben für sogenannte Arbeitsmittel wie Fachliteratur, einen Computer, Büromaterial oder Ausgaben für die Einrichtung eines eigenen Arbeitszimmers.

Pendler können ihre Fahrtkosten geltend machen

Für Pendler sind insbesondere die Fahrtkosten interessant: 30 Cent je gefahrenen Kilometer dürfen Auszubildende steuerlich geltend machen. Bereits bei täglichen Wegen von mehr als 15 Kilometern überschreiten sie so den Werbungskostenpauschalbetrag von 1000 Euro. Doch Obacht: Nur bei der Dienstreisenpauschale zählen Hin- und Rückfahrt.

Bei der Entfernungspauschale für den Weg zur Arbeit gilt die einfache Fahrt. „Azubis sollten daher mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass die näher zum Wohnort gelegene Einrichtung als erste Tätigkeitsstätte festgehalten wird“, sagt Expertin Braunsteffer „hier zählt die Entfernungspauschale.“ Ist das zum Beispiel die Werkstatt des Ausbildungsbetriebs, dann gilt jede Fahrt zur weiter entfernten Berufsschule automatisch als Dienstreise und darf somit voll abgerechnet werden. Bei einer länger andauernden Reise im Rahmen der Ausbildung kommen Unterbringungs- und Verpflegungskosten hinzu. Das gilt im Übrigen auch, wenn der Azubi aufgrund der Entfernung zum Heimatort einen Zweitwohnsitz am Ausbildungsort unterhalten muss. „In diesen Fällen aber unbedingt Fahrkarten, Belege und Quittungen aufheben“, mahnt Braunsteffer, „denn die Finanzämter schauen ganz genau hin, wenn sie Geld zurückzahlen sollen.“

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