Erst das Baby, dann die Prü­fung

von JobFit-Projektredaktion | 13. Feb. 2016 | Kommentare deaktiviert für Erst das Baby, dann die Prü­fung

Schwangere genießen gesetzlichen Schutz und können die Ausbildung auch nach der Geburt fortsetzen

Auch wenn die Schwangerschaft nicht geplant war: Für junge Eltern gibt es Wege, Ausbildung und Kind unter einen Hut zu bringen.  Foto: Barabas Attila/Fotolia

Auch wenn die Schwangerschaft nicht geplant war: Für junge Eltern gibt es Wege, Ausbildung und Kind unter einen Hut zu bringen. Foto: Barabas Attila/Fotolia

Ob geplant oder ungeplant, eine Schwangerschaft verändert das Leben – einer Fortführung der Ausbildung steht sie aber nicht im Wege. „Wir legen schwangeren Frauen nahe, die Ausbildung nicht abzubrechen“, sagt Julian Wiedmann, Landesjugendsekretär von Verdi Baden-Württemberg. Ein Abschluss bleibe eine wichtige Qualifikation, auch wenn die Mutter erst später in den Beruf einsteige.

Eine schwangere Auszubildende ist nicht verpflichtet, ihrem Betrieb die Schwangerschaft mitzuteilen. Dennoch sollte sie zumindest ihren Chef informieren, auch wenn aus medizinischer Sicht alles in Ordnung ist, – allein um das Vertrauensverhältnis nicht zu beschädigen. „Für Auszubildende gelten genauso wie für normal Beschäftigte die Regelungen des Mutterschutzgesetzes“, so Wiedmann. Dieses sieht etwa einen Kündigungsschutz für werdende Mütter vor, auch in der Probezeit und für vier Monate nach der Geburt des Kindes. Außerdem können Schwangere selbst entscheiden, ob sie in den letzten sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin noch arbeiten wollen oder nicht. In den ersten acht Wochen nach der Geburt genießen die Mütter Mutterschutz und dürfen nicht arbeiten.

Aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen ist es sinnvoll, rechtzeitig das Gespräch mit dem Ausbilder zu suchen. „Einseitige Tätigkeiten, wie am Band stehen oder den ganzen Arbeitstag über sitzen, sind Schwangeren nicht zuzumuten“, sagt Wiedmann. Azubis, die bei ihrer Tätigkeit mit Gefahrenstoffen zu tun haben oder schwere Lasten heben müssen, sollten sich ebenfalls an ihren Ausbildungsleiter wenden. Notfalls müssen die Tätigkeiten angepasst werden.

Welche Möglichkeiten es für Schwangere gibt, weiß die Arbeitnehmervertretung. Ob es die Jugend- und Auszubildendenvertretung ist, der Betriebs- oder Personalrat oder auch die Gewerkschaft – verschiedene Ansprechpartner können den werdenden Müttern weiterhelfen.

Auch eine Ausbildung in Teilzeit ist möglich

Die Helfer geben zudem Ratschläge, wenn es um die Planung der Abschlussprüfungen geht. „Wir empfehlen, die Prüfungen möglichst vor der Geburt anzugehen“, sagt Gewerkschafter Wiedemann. Mit Kind sei es meist schwerer, sich vorzubereiten. Der Prüfungstermin lasse sich in den meisten Fällen in Absprache mit dem Betrieb vorziehen. Doch auch wenn das nicht klappt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Ausbildung nach der Geburt des Kindes zu Ende zu bringen. „In Absprache mit dem Betrieb ist selbst eine Ausbildung in Teilzeit möglich“, betont Wiedmann. Und von der Berufsschule kann man sich für ein Halbjahr beziehungsweise Semester oder länger beurlauben lassen.

Auch Auszubildende haben Anspruch auf Elternzeit. Die Ausbildung verlängert sich um die genommene Elternzeit. Während der Elternmonate ruht der Ausbildungsvertrag, es wird also auch kein Lohn gezahlt. Dafür können Mütter und Väter aber Elterngeld beantragen, dessen Höhe von der Ausbildungsvergütung abhängt, jedoch mindestens 300 Euro im Monat beträgt.

Während der Schwangerschaft und des Mutterschutzes müssen werdende Mütter nicht befürchten, dass sie weniger Geld bekommen. In der Schwangerschaft bekommen sie ihre normale Vergütung. Diese verringert sich zwar während des Mutterschutzes, doch zahlt dafür die Krankenkasse die Differenz. Bezieherinnen einer Berufsausbildungsbeihilfe bekommen diese weiter, während des Mutterschutzes werden lediglich Sondervergütungen, wie etwa ein Fahrkostenzuschuss, nicht mehr gezahlt. Gute Ansprechpartner für finanzielle Fragen sind Schwangerschaftsberatungen. Sie helfen zudem mit den Anträgen für Ämter weiter, denn die Geburt eines Kindes bringt nicht nur viel Freude ins Leben, sondern verlangt anfänglich auch bürokratischen Aufwand.

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