Belebtschlamm im Brackwasser

von JobFit-Projektredaktion | 26. Mrz. 2016 | Kommentare deaktiviert für Belebtschlamm im Brackwasser

Julian Erfurt arbeitet als Lehrling zur Fachkraft für Abwassertechnik auch viel im Labor

Von Robert Kolm

Arbeit am Becken: Mit dem sogenannten "Fettfang" werden größere Teile aus dem Abwasser entfernt.  Foto: Robert Kolm

Arbeit am Becken: Mit dem sogenannten „Fettfang“ werden größere Teile aus dem Abwasser entfernt. Foto: Robert Kolm

Besonders lecker sieht es nicht aus, das Brackwasser, das in dem riesigen Becken quirlt. Wenigstens riecht es nicht allzu streng. Julian Erfurt kümmert das alles nicht, er ist es gewohnt. Der 18-Jährige aus Ravensburg macht seit dem 1. September 2015 eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik beim Abwasserzweckverband Mariatal. Sein Arbeitsplatz ist das Klärwerk Langwiese im Ravensburger Ortsteil Oberzell.

„Das Schöne ist die Abwechslung in diesem Beruf“, sagt Erfurt. Seine Eltern hatten als Erste die Idee, dass er die Ausbildung machen könnte. „Ich habe vorher die Werkrealschule in Ravensburg besucht und nachdem mich meine Eltern darauf hingewiesen hatten, habe ich mich intensiver mit dem Beruf beschäftigt.“ Schnell merkte Erfurt, dass er das Richtige gefunden hatte. Die Arbeit im Labor und draußen am Werk macht ihm viel Spaß. Aber was genau macht eigentlich eine Fachkraft für Abwassertechnik?

Gute Kenntnisse im Fach Chemie erforderlich

„Im Klärwerk Langwiese werden die Abwässer von Ravensburg, Weingarten, Berg und Baienfurt gereinigt“, erzählt Christoph König, der Ausbildungsleiter von Julian Erfurt. Diese vier Orte bilden denn auch den Abwasserzweckverband Mariatal. Ein Großteil der Arbeit findet im Labor statt, die Laboranalytik. Hier werden die Proben, die aus dem Abwasser entnommen wurden, untersucht. Wie hoch ist der Gehalt an Nitraten? An Phosphaten? Was verbirgt sich sonst noch im Wasser? Wie reagieren die Stoffe bei bestimmten Tests? „Da muss man schon fit in Chemie sein“, sagt Erfurt. Auch wenn es darum geht, am sogenannten „Kocher“ ungelöste Stoffe messbar zu machen, Werte in das Betriebstagebuch einzutragen und zu vergleichen. Erfurt muss allerdings nicht den ganzen Tag im Labor verbringen, seine Ausbildung ist vielfältig und abwechslungsreich. Er arbeitet auch draußen im Werk an den Becken und Maschinen. Muss etwas geschweißt werden? Funktioniert die Pumpe? Kenntnisse aus dem Schlosser- und Elektrobereich sind dafür nötig und werden ihm vermittelt.

Bei einem Rundgang über das Gelände des Klärwerks erklärt der 18-Jährige die ganze Prozedur der Wasserreinigung. Zunächst wird das Abwasser durch den sogenannten Rechen geleitet, der filtert mit Stäben die groben Stoffe heraus. Außerdem setzen sich die feinen Schwebstoffe von den Groben ab. Später werden dem Abwasser Bakterien zugesetzt, sogenannter Belebtschlamm. „Die Bakterien essen quasi die Schadstoffe weg“, sagt Erfurt. Das Wasser wird dann mit Aktivkohle versetzt, was Medikamentenrückstände entfernt. „Hormone, die Pille, sind ein großes Problem“, erklärt Erfurt. Zuletzt wird das Wasser im Sandfilter gereinigt – das gleiche Prinzip, wie bei einem Kaffeefilter. Das gesäuberte Abwasser kann nun wieder dem Wasserkreislauf zugeführt werden und wird in die Schussen geleitet. Die Wiederaufbereitung des Abwassers ist ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Gewässerschutz.

Übrigens: Manchmal entdecken König und Erfurt auch kuriose Dinge im Abwasser und im Schlamm. „Ein Gebiss ist schon hin und wieder dabei“, sagt Erfurt und lacht.

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