Schnel­ler in den Be­ruf

von JobFit-Projektredaktion | 9. Apr. 2016 | Kommentare deaktiviert für Schnel­ler in den Be­ruf

Eine verkürzte Ausbildung ist keine Seltenheit – Unter welchen Voraussetzungen sie möglich und sinnvoll ist

Auch wer schon ein oder zwei Semester studiert hat und sich dann umorientieren will, bekommt die Möglichkeit einer verkürzten Ausbildung.  Foto: Daniel Ernst/Fotolia

Auch wer schon ein oder zwei Semester studiert hat und sich dann umorientieren will, bekommt die Möglichkeit einer verkürzten Ausbildung. Foto: Daniel Ernst/Fotolia

Sechs Monate, ein Jahr oder sogar 18 Monate früher eine richtige Stelle mit vollem Gehalt antreten? Das klingt für viele Auszubildende verlockend. Und tatsächlich bietet der Gesetzgeber einige Möglichkeiten, um die Ausbildungszeit wesentlich zu verkürzen. „Das ist gar nicht so selten und wenn sich alle einig sind, auch gar nicht kompliziert“, sagt Sonja Fuchs, Fachbereichsleiterin Ausbildung bei der Handwerkskammer Ulm. Generell gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann eine Verkürzung bei Ausbildungsbeginn im Ausbildungsvertrag vereinbart werden. Der zweite Weg: Während der Ausbildung wird ein Antrag gestellt, um die Abschlussprüfung ein halbes Jahr vorzuverlegen.

Dass zu Beginn der Ausbildung eine kürzere Dauer vereinbart wird, ist relativ häufig. Schließlich kommen viele Gründe in Betracht. Ist der angehende Auszubildende älter als 21 Jahre, wird eine gewisse Reife vorausgesetzt und dem jungen Erwachsenen zugetraut, sich die Lerninhalte innerhalb kürzerer Zeit anzueignen. Hier ist eine Verkürzung von bis zu zwölf Monaten möglich. Zudem kann eine abgeschlossene vorherige Ausbildung als Grund gewertet werden, um bis zu zwölf Monate zu verkürzen. Verfügt ein Jugendlicher über die Fachoberschulreife, kann er die Ausbildung schon bei Vertragsabschluss um sechs Monate verkürzen. „Am häufigsten nehmen junge Erwachsene mit Fachhochschulreife oder einem abgebrochenen Studium die Chance wahr, ihre Ausbildungszeit zu verkürzen“, berichtet Sonja Fuchs.

Möglichst keine Lücke bis zu den Prüfungen entstehen lassen

Allerdings sollte die mögliche Verkürzung um zwölf Monate nicht immer ausgeschöpft werden. „Ich berate gerade einen Studienabbrecher, der am 1. April seine Ausbildung beginnt. Würde er um volle zwölf Monate verkürzen, wäre er Ende März fertig. Da er aber nur zum üblichen Sommertermin seine Abschlussprüfungen ablegen kann, würde womöglich eine Lücke von bis zu vier Monaten zwischen Ausbildungsende und Abschluss der Prüfungen klaffen.“ In solchen Fällen, so rät Sonja Fuchs, ist es sinnvoller, nur so viele Monate Verkürzung in Anspruch zu nehmen, dass alle Prüfungen einige Wochen vor Beendigung der Ausbildungszeit abgelegt werden können. Die Ausbildungszeit endet dann mit Bestehen der Abschlussprüfung.

Weit seltener als den Antrag auf Verkürzung stellen Jugendliche während der Ausbildung einen Antrag auf eine frühere Zulassung zur Abschlussprüfung. „Sind die Noten im letzten Berufsschulzeugnis vor dem angestrebten Prüfungstermin in den prüfungsrelevanten Fächern besser als 2,49 ist das aber durchaus möglich“, so die Fachbereichsleiterin Ausbildung. Möchte ein Auszubildender seine Prüfungen ein halbes Jahr früher ablegen, muss er nur einen kurzen Antrag ausfüllen und das aktuelle Berufsschulzeugnis beilegen. Natürlich wird auch der Betrieb nach seiner Einschätzung gefragt. „Wichtig ist es, diesen Antrag früh genug zu stellen“, sagt Sonja Fuchs. Spätestens drei Monate vor dem gewünschten Prüfungstermin sollte der Antrag bei der entsprechenden Kammer eingereicht werden. „Denn gerade im Handwerksbereich müssen für die Abschlussprüfungen oftmals bestimmte Materialien oder sonstige Hilfsmittel bereitgestellt werden, die extra für den Prüfling angeschafft werden.“

Nicht um den Preis schlechterer Abschlussnoten verkürzen

Doch auch wenn alle Voraussetzungen für eine Verkürzung gegeben sind: Unabdingbar ist es, die Meinung der Berufsschullehrer und des Betriebes in die eigene Entscheidung mit einzubeziehen. Denn nicht immer ist es sinnvoll, den Anspruch auf Verkürzung auszuschöpfen. „Wenn jemand voraussichtlich eine bessere Note bekommen wird, falls er noch ein halbes Jahr länger in der Ausbildung bleibt, ist das sicher ein Grund, nicht zu verkürzen“, sagt Sonja Fuchs. Denn die Betriebe, bei denen sich Auszubildende später bewerben, schauen immer eher auf die Qualität der Abschlussnoten als auf die Kürze der Ausbildungszeit.

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