Stren­ge Re­geln für län­ge­re Ar­beit

von JobFit-Projektredaktion | 14. Mai. 2016 | Kommentare deaktiviert für Stren­ge Re­geln für län­ge­re Ar­beit

Generell dürfen Auszubildende keine Überstunden machen, aber für bestimmte Branchen gibt es Ausnahmen

In Bäckereien wird auch samstags gearbeitet. Allerdings sollten jugendliche Auszubildende auch hier mindestens zwei Samstage im Monat frei haben.  Foto: contrastwerkstatt/Fotolia

In Bäckereien wird auch samstags gearbeitet. Allerdings sollten jugendliche Auszubildende auch hier mindestens zwei Samstage im Monat frei haben. Foto: contrastwerkstatt/Fotolia

Kannst du am Samstag einspringen? Viele Auszubildende kennen diese Frage. Nur: Ist man eigentlich dazu verpflichtet, dieser Bitte nachzukommen?

„Das ist ein diffiziles Gebiet“, sagt Isabel Luik, Gewerkschaftssekretärin für den Bereich Jugend bei ver.di. Generell dient eine Ausbildung dem Lernen. Überstunden oder Wochenendarbeit sind nicht vorgesehen. „Andererseits gibt es beispielsweise in der Krankenpflege durchaus Tätigkeiten, die man nur in der Nachtschicht lernen kann“, erklärt Luik. Auszubildende können also freiwillig Überstunden machen, wenn es dem Ausbildungsziel dient und eine Ausbildungsperson anwesend ist. Keinesfalls dürfen sie jedoch als Lückenbüßer eingesetzt werden, weil in einem Betrieb die Personaldecke zu dünn ist. Nur in Ausnahmesituationen, bei einer erheblichen Störung im Betriebsablauf, können Arbeitgeber fordern, dass Auszubildende Überstunden machen oder am Wochenende arbeiten. „Es ist aber nicht erlaubt, einen Auszubildenden in seiner Freizeit anzurufen und ihn in die Firma zu beordern“, grenzt Luik diese Weisungsbefugnis ein.

Doch wie sieht es im Alltag aus? Laut DGB-Ausbildungsreport 2015 macht jeder fünfte Auszubildende regelmäßig mehr als fünf Überstunden pro Woche. Einige Berufsgruppen, wie Bankkaufleute oder Industriemechaniker, sind kaum betroffen, im Dienstleistungssektor liegen die Zahlen dafür höher. Dem Report zufolge bekamen 15,4 Prozent der Befragten zudem für ihre Mehrarbeit keinerlei Ausgleich.

Anspruch auf Ausgleich

„Dabei ist die Gesetzeslage eindeutig, Überstunden müssen vorzugsweise durch einen zeitnahen Freizeitausgleich oder eben finanziell ausgeglichen werden“, sagt Isabel Luik. Oft regelt die Details dieses Ausgleichs ein Tarifvertrag, aber der Gesetzgeber schützt auch unabhängig davon: Für Minderjährige ist eine Fünf-Tage-Woche von Montag bis Freitag mit einem achtstündigen Arbeitstag festgesetzt. Ausnahmen davon sind nur in bestimmten Arbeitsbereichen wie beispielsweise in Krankenanstalten, Gaststätten, Bäckereien oder im Friseurhandwerk zulässig. In diesen Branchen gilt: Mindestens zwei Samstage im Monat sollen jugendliche Auszubildende freihaben. Und mindestens zwei Sonntage im Monat müssen sie – unabhängig von den betrieblichen Verhältnissen – freibekommen. Volljährige Auszubildende in diesen Branchen dürfen bei einem Achtstundentag maximal sechs Tage die Woche arbeiten – aber nicht sonntags und an gesetzlichen Feiertagen. Wichtig ist: Der Sonn- oder Feiertag beginnt immer um 0 Uhr und endet um 24 Uhr. Ein Einsatz am Samstagabend darf also nicht bis in die Morgenstunden dauern. Für jeden zusätzlichen Arbeitstag muss es innerhalb von zwei Wochen einen Ersatzruhetag geben. Tarifverträge regeln häufig zusätzlich zum Freizeitausgleich einen finanziellen Ausgleich.

Schriftlich geltend machen

Doch was kann man tun, wenn die Regelungen im Betrieb nicht eingehalten werden? Generell ist es sinnvoll, mit einer Beschwerde zu warten, bis die Probezeit beendet ist. Andernfalls kann die Firma den Ausbildungsvertrag ohne Angabe von Gründen beenden. Ist die Probezeit um, gilt es, alle Überstunden schriftlich geltend zu machen, damit die Ansprüche nicht erlöschen. Auch die Ablehnung von Überstunden ist denkbar, schließlich steht sogar der Versicherungsschutz auf dem Spiel, wenn Auszubildende länger arbeiten als erlaubt. Kommt es zum Unfall, kann die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft sich weigern, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen. „Ich rate dazu, die Problematik mit der Jugend- und Ausbildungsvertretung, dem Betriebs- oder Personalrat oder der zuständigen Gewerkschaft zu besprechen“, sagt Isabel Luik. „Hier bekommt man Unterstützung und konkreten Rat.“

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