In­ter­view: „Es gibt im­mer mehr er­folg­rei­che Vor­bil­der“

von JobFit-Projektredaktion | 9. Jul. 2016 | Kommentare deaktiviert für In­ter­view: „Es gibt im­mer mehr er­folg­rei­che Vor­bil­der“

Birgit Buschmann vom Wirtschaftsministerium in Stuttgart sieht beste Karrierechancen für junge Frauen in den MINT-Berufen

Gleich­stel­lungs­ex­per­tin: Birgit Buschmann ist Referatsleiterin für Wirtschaft und Gleichstellung im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg.

Gleich­stel­lungs­ex­per­tin: Birgit Buschmann ist Referatsleiterin für Wirtschaft und Gleichstellung im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg.

Technische und wissenschaftliche Berufe bieten für Frauen gute Karrierechancen. Doch es entscheiden sich immer noch zu wenige Schülerinnen für eine Ausbildung in diesen Bereichen. Wir haben mit Birgit Buschmann, Referatsleiterin für Wirtschaft und Gleichstellung im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg über die Gründe und Perspektiven gesprochen.

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff MINT-Berufe?

MINT hat nichts mit der Farbe zu tun. Die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. MINT bestimmt heute unseren Alltag vom Handy bis zur Funktionskleidung.

Warum soll der Anteil von Frauen in diesen Berufen gefördert werden?

Baden-Württemberg ist der Industrie- und Innovationsstandort Nr. 1 mit dem größten Bedarf an technischen Fachkräften. Zukunftsbranchen wie Automotive, IT, Medizin- und Umwelttechnik bieten spannende, gut bezahlte und abwechslungsreiche Berufe. Hierfür brauchen wir alle Talente, insbesondere auch die von Frauen.

Aber Frauen sind nicht einfach Lückenbüßer, weil zu wenige Männer zur Verfügung stehen?

Nein, ganz und gar nicht. Die Zukunftschancen sind für die gut qualifizierten jungen Frauen ausgezeichnet, denn sie bringen neue Blickwinkel ein. Sie orientieren sich auf den gesellschaftlichen Nutzen von Technik, sind kreativ und erschließen damit neue Produktlösungen und Kundengruppen. Sie denken interdisziplinär und vernetzt, und das spielt in Zukunft eine immer wichtigere Rolle, zum Beispiel in der Bioinformatik oder bei der Elektromobilität.

Wie können Schülerinnen am besten feststellen, ob ein MINT-Beruf das Richtige für sie wäre?

Durch eine vertiefte Berufsorientierung. Und die sollte über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen. Wichtig sind das praktische Erleben und der Einblick in die Arbeitswelt. Nur so kann eine wirklich fundierte Berufswahl in Kenntnis der eigenen Talente und der heutigen Berufswelt erfolgen.

Ganz andere, komplexere Fähigkeiten gefragt als früher: Junge Frauen entdecken den Beruf der Kfz-Mechatronikerin als spannende Möglichkeit.  Foto: djd/Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe

Ganz andere, komplexere Fähigkeiten gefragt als früher: Junge Frauen entdecken den Beruf der Kfz-Mechatronikerin als spannende Möglichkeit. Foto: djd/Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe

Die baden-württembergische Landesinitiative „Frauen in MINT-Berufen“ unterstützt deshalb gezielt Angebote der Berufsorientierung, beispielsweise die Girls‘ Day Akademien, die Mädchen aus den Klassen 7 bis 10 die Möglichkeit bieten, innerhalb eines ganzen Jahres, ihre Talente praktisch zu erproben und Einblicke in verschiedene technische Berufsfelder zu bekommen. Da geht es um technische Projekte in der Schule und praktisches Ausprobieren in den Betrieben, aber auch Bewerbungstrainings.

Was hindert immer noch so viele Mädchen daran, einen technischen Beruf zu wählen?

Die Vorstellung von Technik als Männerberuf hält sich hartnäckig. Und noch immer glauben viele Jugendliche und Eltern, die Arbeit sei kalt, schmutzig, gefährlich und unkommunikativ. Dabei haben sich die technischen Berufe in den vergangenen Jahren sehr verändert. Digitalisierung und Automatisierung haben Einzug gehalten. Es kommt immer stärker darauf an, Maschinen und Anlagen zu steuern, Qualitätssicherung zu betreiben, in Teams zu arbeiten oder Ähnliches. Da sind ganz andere, komplexere Fähigkeiten gefragt als früher. Gerade das macht die Berufe heute auch so spannend und auch für junge Frauen interessant.

Gibt es eigentlich noch Vorbehalte gegen Frauen in MINT-Berufen?

Es gibt immer noch Klischees, aber auch immer mehr erfolgreiche Vorbilder. Auch das Land möchte mit einem breiten Bündnis aus Kammern, Verbänden, Frauennetzwerken und Unternehmen unterstützend wirken, beispielsweise durch die Aktionstage „Gemeinsam stark“. Hierzu werden alle weiblichen Auszubildenden aus einem Kammerbezirk eingeladen. Workshops zu Berufs- und Lebensplanung, Kommunikation, Role Models und Ähnliches stehen auf dem Programm. Und natürlich bieten diese Treffen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen. Auf unserer Webseite und auf Facebook gibt es viele weitere Infos vom „MINT-Schnelltest“ bis zu Informationstagen, Projekten und Kontakten.

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